Massenproteste: "Milliardäre, Eure Zeit ist vorbei!"

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Vor nicht einmal drei Wochen war es nur ein Häufchen Studenten, jetzt ist es eine Massenbewegung: In New York demonstrieren Tausende gegen die Macht der Banken - und die Aktionen haben längst auf andere Städte übergegriffen (Archivbild).

New York - Vor nicht einmal drei Wochen war es nur ein Häufchen Studenten, jetzt ist es eine Massenbewegung: In New York demonstrieren Tausende gegen die Macht der Banken - und die Aktionen haben längst auf andere Städte übergegriffen.

Etwas optimistisch ist das Transparent wohl doch: “Milliardäre, Eure Zeit ist vorbei!“ steht auf einem Schild, das eine junge Frau im Finanzdistrikt von New York hochhält. Nein, die Zeit der Banken, auf die New York schon baute, als es noch Neu Amsterdam hieß, sind vermutlich noch lange nicht vorbei. Aber es wird zumindest ungemütlicher. Seit drei Wochen protestieren Menschen gegen die Macht der Geldhäuser, in New York und anderswo. Am Mittwoch wurde aus der “Occupy the Wall Street“-Aktion einiger witziger Studenten ein breiter Protest aus Gewerkschaften, Aktivisten und Anwohnern.

Am Mittwoch sollte es vom Foley Square am New Yorker Rathaus, dem beliebten Fotomotiv an der Brooklyn Bridge, zum Zucotti-Park gehen. Die kleine Grünfläche ist seit Mitte September das Hauptquartier der Protestler, weil die scharf bewachte Wall Street sich nicht für größere Demonstrationen eignet. Die Dutzenden Polizisten hinter den dicken Sperren halten mit Sturmgewehr und Helm zwar eher nach islamistischen Terroristen als nach amerikanischen Studenten Ausschau. Aber als Matratzenlager eignet sich doch viel besser der kleine Park an der Liberty Street, nur eine Minute von der Bankenstraße in der Welthauptstadt des Kapitalismus entfernt.

Die jungen Leute sind eigentlich ein Häuflein, mit denen sich arbeitskampfgestählte Gewerkschafter nicht abgeben. Studenten, die das harte Erwerbsleben nicht kennen, finden in der Regel nicht die Anerkennung von Arbeitern, die seit dem 16. oder 17. Lebensjahr acht, neun Stunden täglicher Arbeit gewohnt sind. Diesmal ist es anders, diesmal sind die Gewerkschaften mit dabei. “Es ist ganz einfach“, sagte Larry Hanley von der Amalgamated Transit Union dem Sender CNN. “Diese jungen Leute an der Wall Street machen auf die Probleme aufmerksam, die die vielen arbeitenden Menschen in Amerika in den vergangenen Jahren bekommen haben“.

Dabei ist immer noch nicht klar, was die Demonstranten eigentlich wollen. Die Macht der Banken beschneiden, sie zu mehr Allgemeinsinn anhalten, das Sozialsystem verbessern - aber wie? Klare Forderungen etwa nach Sondersteuern, Änderungen des Sozialrechts oder schärferer Verfolgung von Wirtschaftskriminalität sucht man vergebens.

“Wir sind die 99 Prozent, die die Gier und Bestechung des einen Prozents nicht mehr hinnehmen wollen“, heißt es in Aufrufen in Anspielung auf Amerikas reichstes Prozent der Bevölkerung. Der Protest der “99 Prozent“ richtet sich gegen die Wall Street, “weil dort unsere Renten verschwinden“. Zusammen mit “den ehrbaren Arbeitern“ solle gegen große Ungerechtigkeit protestiert werden, “damit der amerikanische Traum wieder leben kann“.

Die Demonstranten sprechen von zivilem Ungehorsam und beziehen sich ausdrücklich auf “die Taktik des Arabischen Frühlings“. Witzig statt gewalttätig: Um gegen “die Fäulnis des Bankensystems“ zu protestieren, verkleideten sich ein paar Dutzend Demonstranten am Montag als Zombies. Die Passanten guckten neugierig auf die falschen Untoten, einige machten Bilder, einige riefen etwas ermunterndes zu - einer rief aber auch “sucht Euch 'n Job“.

Während die Manager vorüberhasten, vielleicht mal interessiert stehenbleiben, fühlte sich Sam Schmidt an seine Jugend erinnert. “Ich bin 60 Jahre alt. Ich habe die Sechziger und Siebziger erlebt und das hier ist gar nichts“, sagte der Anwalt der “Businessweek“. “Die benehmen sich doch alle ganz ordentlich. Wir haben zwar ein paar Verrückte dabei. Aber die haben wir in New York sowieso.“

dpa

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