Von Altenpfleger bis Gehhilfe

Automatica: So erobern Serviceroboter den Alltag

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Roboter werden immer mehr zu Helfern im Alltag.

München - Achtung, die Roboter kommen! Sie helfen im Krankenhaus oder Seniorenheim, im Warenlager und in der Landwirtschaft. Das ist längst nicht mehr nur Science Fiction, wie eine Fachmesse in München zeigt.

„Ich kann glücklich sein. Ich kann überrascht sein.“ Der Mund von Roboy öffnet sich, die Augen auf dem glänzend weißen Gesicht werden ganz groß und leuchten blau. Der kleine Kerl ist nicht etwa einem Science-Fiction-Film entsprungen, sondern wurde von der Technischen Universität München entwickelt.

48 einzelne Maschinen treiben Roboy an, seine Bewegungen sind seilzuggesteuert, sein Skelett wurde in einem 3-D-Drucker erschaffen. Der humanoide Roboter kann mit seinem Gesprächspartner interagieren, äußert „Gefühle“ und wirkt schon beinahe menschlich. Künftig könnte er als „lernfortgeschrittenes“ Spielzeug für Kinder eingesetzt werden.

Roboter auch bei der EU auf der Agenda

Roboy ist nur einer von vielen Servicerobotern, die auf der diesjährigen Automatica (bis 6. Juni) in München vorgestellt werden. Ob Transportroboter oder computergesteuerte Gehsysteme für Menschen mit Handicap: Erstmals werden auf der Fachmesse nicht nur Roboter- und Automaten-Innovationen für die Industrie gezeigt, sondern auch die neuesten Assistenzsysteme, die dem Menschen immer mehr zur Hand gehen.

Der Weltroboterverband IFR schätzt, dass zwischen 2013 und 2016 insgesamt mindestens 95 000 neue professionelle Serviceroboter im Wert von etwa 12,3 Milliarden Euro verkauft werden. Das Thema Roboter hat auch die EU auf die Agenda gesetzt. In den kommenden sieben Jahren werden dafür rund 700 Millionen Euro an Fördergeldern bereitgestellt.

Derzeit umfasse der globale Markt für Robotik 22 Milliarden Euro, hieß es. Bis zum Jahr 2020 könnte er auf mehr als 60 Milliarden Euro anwachsen. Europa sei mit einem Marktanteil von 35 Prozent bereits jetzt Marktführer.

Automatica: So erobern Roboter unseren Alltag

Automatica: So erobern Roboter unseren Alltag

Waren die Systeme lange Zeit noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase, habe sich jetzt ein Markt für Produkte der Medizin- und Landtechnik sowie der Intralogistik entwickelt, heißt es bei EUnited Robotics. Internationale Investoren zeigten zunehmend Interesse, kleinere Firmen und junge Start-Ups bei der Produktentwicklung zu unterstützen.

Großes Interesse in Deutschland

„Der Markt für Serviceroboter in gewerblicher Anwendung war bislang ein Nischenmarkt mit sehr speziellen Maschinen“, sagt Martin Hägele vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA). Jetzt seien mehr Produkte im Angebot. Gerade in Deutschland gebe es eine große Ausrüsterindustrie, die daran Interesse habe.

Roboter werden immer mehr zu Helfern im Alltag und können auch Aufgaben übernehmen, die der Mensch nicht so effizient ausüben kann. So bringen sie heute schon Güter aller Art selbstständig ins Lager oder helfen Chirurgen am OP-Tisch. In der Landwirtschaft können sie auf dem Feld ernten, besprühen, pflanzen und zuschneiden oder im Stall das Vieh versorgen. Sie könnten künftig auch zunehmend Rettungsaufgaben, professionelle Reinigung, Inspektion und Wartung übernehmen.

Unterstützung in der Altenhilfe

Im Trend liegen Roboter zur Unterstützung von Senioren und Menschen mit Behinderung. Sie können etwa daran erinnern, die Medizin rechtzeitig einzunehmen, Patienten Getränke anbieten oder als intelligente Prothesen dienen. Gerade bei der Rundum-Versorgung von alten und kranken Menschen könnten sie das Pflegepersonal entlasten.

Dabei gehe es nicht darum, die Pflege komplett zu automatisieren, betont Birgit Graf, Gruppenleiterin der Haushalts- und Assistenzrobotik beim Fraunhofer IPA. Aber schwere körperliche Arbeiten wie das Heben von Patienten könnten diese Hilfssysteme durchaus übernehmen: „Da sehe ich ein Riesenpotenzial, um dem zunehmenden Pflegenotstand entgegenzuwirken.“

Zum Einsatz kommen Serviceroboter auch schon bei der Behandlung von Krebspatienten. „Da helfen sie bei der Tumorbestrahlung und ermöglichen eine genaue Patientenpositionierung“, berichtet Martin Gerlich von BEC-Buck Engineering. Da die Bestrahlung dann gezielter sei, werde der Patient weniger belastet und die Behandlungszeit deutlich verkürzt.

dpa

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