Milliardenverlust: Aktionäre verklagen JPMorgan

New York - Nach dem Milliardenverlust der US-Großbank JPMorgan haben Aktionäre am Mittwoch Klagen gegen das Finanzinstitut eingereicht. Auch das FBI ermittelt.

Die Aktionäre werfen sie dem Bankhaus und seiner Führung vor, ein übertriebenes Risiko eingegangen und den Verlust von zwei Milliarden Dollar (etwa 1,54 Milliarden Euro) verursacht zu haben. Die größte US-Bank hatte vergangene Woche mitgeteilt, fehlgeschlagene Sicherungsstrategien hätten den Schaden verursacht. Noch am Dienstag hatte sich JP-Morgan-Chef Jamie Dimon auf der Jahreshauptversammlung in Florida bei den Aktionären entschuldigt.

Die Aktionäre klagen nun in New York mit der Begründung, JPMorgan habe sein Risikomodell geändert, ohne sie darüber zu informieren. Diese Veränderung habe zu dem Verlust geführt, sagten die Aktionäre, die zudem eine Irreführung durch die Führungsspitze der Bank beklagten. JPMorgan wollte zu den Klagen keine Stellungnahme abgeben.

Vorläufige FBI-Ermittlungen

Aufklären will den Verlust auch das US-Justizministerium. FBI-Direktor Robert Mueller bestätigte am Mittwoch vor dem Rechtsausschuss des Senats, dass seine Behörde eine vorläufige Untersuchung eingeleitet habe. Ein solcher Schritt ist dann möglich, wenn Vorwürfe oder Hinweise auf verbrecherische Aktivitäten vorliegen.

Noch am Dienstag hatte JPMorgan-Chef Jamie Dimon das Debakel vor Aktionären wortreich bedauert. Der Verlust “hätte niemals passieren dürfen“, räumte Dimon ein. “Ich kann das nicht rechtfertigen. Leider sind diese Fehler selbst verschuldet“, sagte er. Vier Minuten sprach er insgesamt über die Fehlspekulationen, es folgten zwei Minuten zu Erfolgen der Bank im vergangenen Jahr. Vor Journalisten sagte er später, die Verantwortung für das Debakel liege bei ihm. Anfang der Woche hatte die Bank bereits den Rücktritt der Leiterin der Investmentsparte, Ina Drew, mitgeteilt.

Bei dem Treffen in Tampa in Florida blieb denn auch Kritik am Bank-Chef nicht aus. Wiederholt hätten die Investoren schon bei anderer Gelegenheit Entschuldigungen Dimons gehört, sagte Seamus Finn, Aktionärsvertreter einer katholischen Organisation. “Wir haben denselben Refrain immer wieder gehört: Wir haben aus unseren Fehlern gelernt. Dies wird nie wieder passieren“, sagte Finn bei dem jährlichen Treffen. “Ich frage mich, ob sie sich selbst zuhören.“

dapd

Rubriklistenbild: © AP

Auch interessant

Meistgelesen

Alarmierende Studie: So hat Amazon unser Kaufverhalten verändert
Alarmierende Studie: So hat Amazon unser Kaufverhalten verändert
Immer weniger Neuwagen auf Privatkunden zugelassen
Immer weniger Neuwagen auf Privatkunden zugelassen
Diese zwei Kindersitze sind gefährlich, warnt Stiftung Warentest
Diese zwei Kindersitze sind gefährlich, warnt Stiftung Warentest
Hersteller ruft Hackfleisch bei Lidl zurück - wegen Plastikteilen
Hersteller ruft Hackfleisch bei Lidl zurück - wegen Plastikteilen

Kommentare