Nervenkrieg bei Opel geht weiter

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Wird das Opel-Werk in Bochum nun doch geschlossen?

Düsseldorf - Angeblich will General Motors zwei Werke in Europa schließen. Laut eines Medienberichts soll das Kanzleramt bereits informiert worden sein, dass das Werk in Bochum dicht gemacht wird.

Der Chef des Autobauers Opel, Karl-Friedrich Stracke, hat Gerüchte zurückgewiesen, wonach das Aus für ein bis zwei europäische Werke des US-Konzerns General Motors (GM) bereits endgültig besiegelt sein soll. Bis zum späten Freitagabend sei „definitiv keine Entscheidung getroffen“ worden, „das Werk in Bochum oder auch irgendein anderes Werk zu schließen“, teilte Stracke der Nachrichtenagentur dapd über einen Sprecher mit.

Zuvor hatten die Zeitungen der WAZ-Gruppe (Samstagausgaben unter Berufung auf Berliner Regierungskreise berichtet, der Konzernchef habe das Kanzleramt bereits über Pläne zur Schließung des Werkes in Bochum informiert. Am Montag sei ein Gespräch zwischen Stracke und dem Betriebsrat geplant. Das Bundeskanzleramt bestätigte auf dapd-Anfrage lediglich, „in ständigen Gesprächen“ mit Opel zu stehen.

Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ plant der Opel-Mutterkonzern GM die Schließung von ein bis zwei europäischen Werken. Ganz oben auf der Streichliste stehen demzufolge die Werke in Bochum und im britischen Ellesmere Port. GM wolle so endlich die hohen Verluste in Europa beenden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Konzernbetriebsrat reagiert alarmiert

Der Opel-Konzernbetriebsrat reagierte alarmiert und warnte den Mutterkonzern: „Es macht wenig Sinn, über teure Werkschließungen zu spekulieren“, erklärte der Vorsitzende des europäischen Opel-Arbeitnehmerforums, Wolfgang Schäfer-Klug am Freitag. „Diese würden eine Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone auf Jahre hinaus unmöglich machen.“

Dem Westdeutschen Rundfunk zufolge will der Konzern rasch Tatsachen schaffen. GM wolle bereits bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch einen Geschäftsplan vorlegen, nach dem die Produktion von Opel-Fahrzeugen drastisch reduziert werden solle, berichtete der WDR unter Berufung auf Arbeitnehmervertreter. Die Kosten für die Schließung des Werkes Bochum seien darin schon eingeplant.

Ein Opel-Sprecher wollte sich zu den näheren Details der Aufsichtsratssitzung nicht weiter äußern. Opel müsse jedoch auch in Zeiten schlechter werdender Geschäftsbedingungen profitabel arbeiten. Der Konzern feile daher an den notwendigen Strategien.

Zwtl.: Einenkel: „Wir müssen uns sehr große Sorgen machen“

Besonders groß ist die Angst bei den 3.200 Opel-Beschäftigen in Bochum. Der dortige Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte im WDR: „Wir müssen uns sehr große Sorgen machen.“ Dies gelte aber nicht nur für Bochum. „Es kann auch jedes andere Werk treffen, dass man Werksschließungen nicht nur androht, sondern möglicherweise umsetzt.“

Der Gewerkschafter warnte den Konzern vor derart drastischen Einschnitten. „Ich glaube, wenn man Opel-Werke schließt, dann wird die Marke Opel endgültig den Bach runtergehen“, sagte er. Nötig sei viel mehr eine Wachstumspolitik. So könnten in den Opel-Werken Autos für Märkte außerhalb Europas oder für andere Konzerntöchter wie Chevrolet gebaut werden.

Nach Informationen der WAZ-Mediengruppe gibt es bei der Stadt Bochum bereits Überlegungen, Opels Kostensituation zu verbessern, indem man dem Autobauer zwei ungenutzte und teure Flächen für den symbolischen Preis von einem Euro abkauft. Anschließend könnten diese Flächen vermarktet und ein Teil des Erlöses an Opel überwiesen werden.

Stracke: „Standortsicherung bis Ende 2014 und die gilt“

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kündigte an, sie werde sich für die Zukunft des Bochumer Opel-Werkes einsetzen. Die Landesregierung stehe in intensivem Kontakt mit Geschäftsleitung und Betriebsrat von Opel sowie mit den Gewerkschaften.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht allerdings wenig Hoffnung für das Bochumer Werk. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass es geschlossen werde. Allerdings bleibe ihm eine Gnadenfrist, weil nach den Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmern und dem Konzern betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 ausgeschlossen seien. Die Stadt Bochum und das Land Nordrhein-Westfalen hätten damit zwei Jahre Zeit, sich um die Schaffung neuer Arbeitsplätze bei anderen Unternehmen zu kümmern.

(Achtung: Der folgende Absatz hat Sperrfrist 0.00 Uhr)

Diesen Zeithorizont brachte auch Stracke erneut ins Spiel: „Wir haben eine klare Standortsicherung bis Ende 2014 und die gilt“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Samstagausgabe). Lohnkürzungen oder die Streichung von Zulagen wollte er jedoch nicht ausschließen: „Wir haben gerade zu Beginn des Jahres 2,7 Prozent Lohnerhöhung gezahlt. Damit sind wir auf IG-Metall-Tarifniveau. Ansonsten müssen wir sehen, was die Zukunft bringt.“\x{200b} Innerhalb der nächsten „zwei bis drei Monate“ sollten die Mitarbeiter umfassend über weitere Schritte informiert werden.

dapd

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