Nokia greift mit günstigen Smartphones an

Barcelona - Der einstige Handy-Primus Nokia hat zwei harte Jahre des Umbaus hinter sich. Jetzt bringen die Finnen Innovationen aus teuren Spitzenmodellen in günstigere Smartphones ihrer Lumia-Reihe und wollen so gegen ihre Rivalen punkten.

Nokia geht nach einer langen Durststrecke zum Angriff im Smartphone-Geschäft über. Der einstige Handy-Weltmarktführer bringt zwei günstigere Modelle seiner Lumia-Smartphones auf den Markt. Das Lumia 520 soll in Deutschland 199 Euro inklusive Steuern kosten, das etwas besser ausgestattete Modell Lumia 720 gibt es für 379 Euro. Nokia hofft, damit wieder einen größeren Anteil am Smartphone-Markt zu erobern. Der Plan ist, Innovationen aus den Spitzenmodellen erschwinglicher zu machen, erklärte Konzernchef Stephen Elop am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona.

Im vergangenen Quartal wurden nach dem Start neuer Lumia-Modelle mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8 rund 4,4 Millionen Geräte der Marke verkauft. Das war besser als zuvor, aber immer noch drastisch weniger als bei Rivalen wie Samsung, Apple oder Huawei. Zum Vergleich: Marktführer Samsung setzte in dieser Zeit schätzungsweise 64,5 Millionen Smartphones ab.

Zu dem Lumia-Schwerpunkten gehören die deutlich verbesserte Kamera sowie Nokias Kartendienste. Der Konzern schließt mit den günstigeren Smartphones die Preis-Lücke zwischen billigen Telefonen mit Internet-Funktionen und den Oberklasse-Modellen, die mit Apples iPhone und Samsungs Galaxy S3 konkurrieren sollen. Derzeit wird mit der Ausweitung des Smartphone-Booms auf Asien, Afrika und Lateinamerika die Nachfrage nach günstigen Computer-Handys immer größer. Das hat den chinesischen Hersteller Huawei auf den dritten Rang im Smartphone-Markt katapultiert. Im vergangenen Quartal setzten die Chinesen knapp elf Millionen Computer-Handys ab.

„Wir bieten mehr Leistung zu zugänglicheren Preisen und definieren dadurch den Konkurrenzkampf bei günstigen mobilen Geräten neu“, verkündete Konzernchef Elop. Nokia habe dabei die Bausteine für den Erfolg. Vor zwei Jahren hatte Elop für Aufsehen gesorgt als er Nokia mit einer brennenden Bohrinsel verglich und den Sprung ins Rettungsboot von Microsoft mit dem Wechsel zum Betriebssystem Windows Phone beschloss.

Nokia hat in den vergangenen Jahren Milliarden-Verluste eingefahren. Der Konzern hatte einst das Geschäft mit Computer-Telefonen beherrscht, hielt aber zu lange an seinem veralteten Betriebssystem Symbian fest und wurde mit dem Start von Apples iPhone und des Google-Betriebssystems Android von neuen Rivalen überrundet. Jetzt hat Nokia mit den beiden neuen Geräten nach Jahren des Umbruchs schließlich eine Palette aus fünf aktuellen Lumia-Modellen, die alle Preisklassen abdeckt. Die neuen günstigeren Geräte sollen dabei zunächst in Asien auf den Markt kommen.

Nokia spart in günstigeren Modellreihen bei technischen Details wie Bildschirm-Auflösung sowie einzelnen Funktionen. So hat das Lumia 520 keinen Kompass und keinen Chip für den NFC-Nahfunk, der etwa bei einigen Bezahldiensten zum Einsatz kommt. Nokia will sich aber quer durch die Palette mit Zusatzfunktionen von der Konkurrenz abheben. So bieten alle Geräte Nokias Kamera-Innovationen, fortgeschrittene Kartendienste mit Navigation sowie Musik-Angebote.

Der Erfolg bei Smartphones ist überlebenswichtig für den finnischen Handy-Riesen. Billige einfache Telefone, mit denen er vor allem in Schwellenländern erfolgreich ist, bringen nicht die notwendige Rendite. Auch Nokias erfolgreiche Asha-Modellreihe von Handys mit Internet-Zugang, die an der Schwelle zum Smartphone stehen, wirft nach Einschätzung von Marktexperten nicht genügend Gewinn ab, um alleine die Zukunft des langjährigen Branchenführers zu sichern.

„Nokia muss auch bei den lukrativeren Smartphones Fuß fassen“, betont etwa Gartner-Analystin Annette Zimmermann. Die Marktforscher Gartner und IDC betrachten die Asha-Geräte, von denen Nokia im vergangenen Halbjahr 16 Millionen Stück verkauft hat, nicht als Smartphones, weil für sie keine nativen Apps entwickelt werden können.

Zugleich bessert Nokia in Barcelona das Angebot im Billig-Bereich nach. So gibt es mit dem Modell Nokia 105 für 15 Euro vor Steuern ein einfaches Telefon mit Farbbildschirm, Radio, eingebauter Taschenlampe und einer vor Spritzwasser und Staub geschützten Gummi-Tastatur. Der Akku soll bis zu einem Monat ohne Nachladen halten. Vor allem dank seiner einfachen Handys hält sich Nokia weiterhin auf dem zweiten Platz im Mobilfunkmarkt hinter Samsung.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

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