OECD: Sozialsystem mehr über Steuern finanzieren

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Der Vorsitzende der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Pascal Lamy, unterhält sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Paris - Die hohen Sozialabgaben bremsen nach Einschätzung der OECD die Beschäftigung in Deutschland. Eine Erhöhung der Steuern auf Konsum und Grundbesitz könnte stattdessen die Sozialsysteme finanzieren.

Die Sozialsysteme sollten daher stärker über Steuern etwa auf Konsum und Grundbesitz finanziert werden, erklärte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Paris.

Gering Qualifizierte haben das Nachsehen

“Deutschland ist im Vergleich zu anderen OECD-Staaten kein Hochsteuerland“, erklärt die OECD. Der Anteil aller Steuern und Abgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung ist mit 36,4 Prozent nur durchschnittlich. Allerdings wird der Faktor Arbeit mehr als anderswo belastet, nämlich um 51 Prozent statt 36,4 Prozent im OECD-Mittel. Frankreich liegt dabei nur ganz knapp hinter Deutschland. Höher ist die Belastung der Arbeit nur in Belgien und Ungarn.

Die Arbeitnehmer müssen heute anteilig weniger Steuern und Abgaben zahlen als vor zehn Jahren. Doch die Sozialabgaben machen immer noch 13,3 Prozent der Staatseinnahmen aus; im OECD-Mittel sind es nur neun Prozent. “Das macht Arbeit in Deutschland besonders teuer und macht es vor allem für gering Qualifizierte schwierig, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden“, heißt es.

Entlastung für Familien nach Erhöhung des Kindergelds

“Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt die Belastung bei alleinstehenden Geringverdienern und Alleinerziehenden“, schreibt die OECD. Wer nur zwei Drittel des Durchschnittslohnes kassiert und alleine zwei Kinder durchbringen muss, bei dem summierten sich Steuern und Abgaben 2009 auf 31,3 Prozent der Arbeitskosten. Im OECD-Durchschnitt waren es lediglich 16,9 Prozent.

dpa

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