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Pipeline-Lecks: Russland droht dem nächsten Land mit Gas-Lieferstopp

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Von: Florian Naumann, Bettina Menzel, Patricia Huber

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Es gibt nun vier Nord-Stream-Lecks in der Ostsee. Doch der Gas-Austritt wird weniger. Die Regierungschefs spekulieren über den Verantwortlichen. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 4. Oktober, 16.40 Uhr: Russland hat der zwischen Rumänien und der Ukraine liegenden Ex-Sowjetrepublik Moldau wegen ausstehender Zahlungen mit einem Abschalten der Gaslieferungen gedroht. „Gazprom behält sich alle Rechte vor, darunter auch das Recht auf eine völlige Einstellung der Lieferungen, wenn bis 20. Oktober die Zahlungsverpflichtungen (der Republik Moldau) nicht erfüllt sind“, teilte der Energiekonzern am Dienstag auf seinem Telegram-Kanal mit. Weil die Altschulden zudem immer noch nicht geregelt seien, könne Gazprom ohnehin jederzeit den Gashahn abdrehen, betonte das Unternehmen.

Gazprom bringt Lieferungen über Nord Stream 2 ins Spiel

Update vom 4. Oktober, 15.55 Uhr: Der russische Energiekonzern Gazprom teilte am Montag auf seinem Twitter-Account mit, dass sich der Druck in den beschädigten Pipelines stabilisiert habe und kein Gas mehr aus den Lecks ströme. Weiter heißt es: „Sollte eine Entscheidung getroffen werden, Gaslieferungen durch den Strang B der Pipeline Nord Stream 2 jedoch aufzunehmen, ist es aus technischer Sicht nun möglich, Erdgas nach der Untersuchung des Systems in Hinblick auf Unversehrtheit in diese Pipeline erneut einzuleiten [...].“

Klingt also, als würde Gazprom anbieten, Gas über die Nord Stream 2 Pipeline zu liefern. Die Gasleitung wurde zwar fertiggestellt, war jedoch nie in Betrieb. Kurz vor Beginn des Ukraine-Krieges hat Deutschland das Projekt auf Eis gelegt und das Genehmigungsverfahren eingestellt.

Russland hält Reparatur der Nord-Stream-Pipelines für realistisch

Update vom 2. Oktober, 20.15 Uhr: Russland hält offenbar eine Reparatur der Nord-Stream-Gaspipelines für realistisch. Technisch sei dies möglich, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak laut einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass am Sonntag im russischen Staats-TV. Nötig seien dafür zwar Zeit und Geldmittel. Er sei allerdings optimistisch, dass sich die Mittel aufbringen ließen, sagte Nowak demnach. Noch immer ist ungeklärt, wer die Explosionen und die folgenden Beschädigungen an den Ostsee-Pipelines verursacht hat.

Unterdessen gibt es neuen Ärger rund um die russischen Gaslieferungen Richtung Europa: Der Gasstrom über Österreich sei nun ebenfalls unterbrochen, heißt es in einem weiteren Tass-Bericht. Hintergrund seien durch Wien geänderte Regularien. Man arbeite mit den Kunden in Italien an einer Lösung, erklärte Gazprom der Nachrichtenagentur zufolge.

Der russische Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak (li.) mit Finanzminister Anton Siluanow.
Der russische Vize-Ministerpräsident Alexander Nowak (li.) mit Finanzminister Anton Siluanow. © IMAGO/Dmitry Astakhov

Gasaustritt aus den beschädigten Pipelines hat weiter abgenommen

Update vom 2. Oktober, 13.26 Uhr: Vorsichtige Entwarnung für die Nord-Stream-Lecks: Der Gasaustritt aus den beschädigten Pipelines hat nach Angaben der schwedischen Küstenwache weiter abgenommen. Das teilte die Behörde nach einem Flug über die Austrittsstellen am Samstagnachmittag (1. Oktober) mit. Prognosen gingen davon aus, dass der Austritt am Sonntag aufhören sollte.

Die Schweden teilten jedoch mit, sie seien mit ihren Einsatzteams auch auf einen längeren Zeitraum vorbereitet. Schiffe sind angehalten, das Gebiet in der Ostsee großräumig zu meiden.

Nord-Stream-Lecks: Aufnahme nahe der Küste vor Bornholm
Aufnahme vom 27. September: Zeichen des Nord-Stream-2-Lecks vor der Küste von Bornholm in Dänemark © Handout/Danish Defence/AFP

Justizminister Buschmann hält deutsche an den Lecks Ermittlungen für möglich

Update vom 2. Oktober, 9.33 Uhr: Justizminister Marco Buschmann (FDP) hat bezüglich der beschädigten Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 auch eine Ermittlung deutscher Justizbehörden in Betracht gezogen. Es sei „möglich, dass hier eine Straftat begangen wurde, für die der Generalbundesanwalt die Strafverfolgung übernehmen könnte“, sagte Buschmann der Bild am Sonntag. Es ginge dann „möglicherweise um eine verfassungsfeindliche Sabotage mit Auswirkungen auf Deutschland“, so der Justizminister. Auch der Straftatbestand des „Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion“ komme demnach infrage.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, „würde der Generalbundesanwalt einschreiten und offiziell ermitteln“, sagte der Minister. „Wir würden die Verantwortlichen jagen - mit allen Instrumenten, die unserem Rechtsstaat zur Verfügung stehen.“ Der Minister verwies dabei auf die internationale Zusammenarbeit mit anderen Staaten, insbesondere innerhalb der EU. „Ziel wäre es, der Täter habhaft zu werden und sie in Deutschland vor Gericht zu stellen“, sagte Buschmann. Auf den Tatbestand der „verfassungsfeindlichen Sabotage“ steht laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe.

Sabotage der Nord-Stream-Pipelines ist aus Sicht von EU-Ratspräsident Michel „Bedrohung für die EU“

Update vom 1. Oktober, 18.10 Uhr: Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollen sich bei einem Gipfeltreffen in Prag mit der mutmaßlichen Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines beschäftigen. Die Sabotage sei eine Bedrohung für die EU, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel nach einem Treffen mit der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen auf Twitter.

„Wir sind entschlossen, unsere kritische Sicherheitsstruktur zu schützen.“ Die Staats- und Regierungschefs würden das auf dem bevorstehenden Gipfel diskutieren. Frederiksen schrieb auf Twitter, die Schäden an den Pipelines seien kein Zufall und müssten gründlich untersucht werden. Europäische Staats- und Regierungschefs aus mehr als 40 Ländern wollen am Donnerstag in Prag zusammenkommen. Ein Treffen der 27 EU-Mitgliedstaaten ist für Freitag angesetzt.

Nord-Stream-Lecks: Gasaustritt aus Rohrleitungen geht zu Ende

Update vom 1. Oktober, 17.40 Uhr: Aus der beschädigten Gaspipeline Nord Stream 2 tritt kein Gas mehr aus. Der Druck in der Gasleitung in der Ostsee sei mittlerweile auf das gleiche Niveau wie der Wasserdruck gefallen, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma am Samstag der Nachrichtenagentur AFP: „Der Wasserdruck hat also die Rohrleitung mehr oder weniger verschlossen, sodass das Gas im Inneren nicht entweichen kann.“

Update vom 1. Oktober, 8.49 Uhr: Für die Reparatur der Lecks an den Erdgas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 gibt es nach Angaben des russischen staatlichen Gaskonzerns Gazprom derzeit noch keinen absehbaren Zeitplan. Der Konzern habe damit begonnen, nach „möglichen Lösungen zu suchen, um das System wieder funktionsfähig zu machen“, sagte Sprecher Sergej Kuprijanow am Freitag. Die Dauer dieser Reparatur könne derzeit aber noch nicht abgeschätzt werden. Die Aufgabe sei aus technischer Hinsicht „sehr überwältigend“. Solche Lecks habe es zuvor nie gegeben.

Update vom 30. September, 22.00 Uhr: Nach einem Gespräch Olaf Scholz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und den Regierungschefs von Dänemark, Norwegen und Schweden scheinen sich die Regierungen einig: „Alle gegenwärtig vorliegenden Informationen weisen auf einen vorsätzlichen Sabotageakt an den Pipelines hin“, so Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Scholz habe Dänemark und Schweden zugesagt, dass Deutschland sie bei der gemeinsamen Aufklärung unterstützen werde.

Russland hält die USA für den Drahtzieher der Sabotage. Vizekanzler Habeck sagte am Abend, „Die einzige Wahrheit, die aus Russland kommt, ist die Lüge.“ „Ich weiß nicht, wer die Explosionen durchgeführt hat. Aber zu sagen: ‚Wir waren es nicht‘ - das ist keine Antwort, der ich traue“, betonte Habeck. Der Kreml hatte zuvor Vorwürfe, selbst die Infrastruktur zerstört zu haben, zurückgewiesen.

Nord-Stream-Gaslecks: Gasaustritt könnte am Sonntag stoppen

Update vom 30. September, 21.55 Uhr: Aus mindestens zwei der vier Lecks an den Nord Stream-Pipelines in der Ostsee strömt inzwischen deutlich weniger Gas. An der Wasseroberfläche über dem kleineren der beiden Lecks trete das Gas nur noch auf einer Fläche mit einem Durchmesser von gut 20 Metern aus, teilte die schwedische Küstenwache am Freitagabend mit.

Auch der zuvor konstante Austritt über dem größeren dieser beiden Lecks habe sich verringert, und zwar auf eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa 600 Metern. Laut einer Diagnose der Betreiber könnte der Gas-Austritt am Sonntag aufhören.

Nord-Stream-Gaslecks: Behörden sicher – Sprengkraft entspricht „hunderten Kilo“ TNT

Update vom 30. September, 14.42 Uhr: Die vier Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee sind einem dänisch-schwedischen Bericht zufolge von Unterwasser-Explosionen mit einer Sprengkraft wie „hunderte Kilo“ TNT verursacht worden. Die Wucht der Explosionen sei mit 2,3 und 2,1 auf der Richterskala beziffert worden, heißt es in dem am Freitag an den UN-Sicherheitsrat übermittelten offiziellen Bericht.

Kreml sieht USA als Drahtzieher bei der Sabotage der Nord Stream Pipelines

Update vom 30. September, 12.02 Uhr: Die russische Führung hat eine Aufklärung der mutmaßlichen Sabotage an der Ostseepipeline Nord Stream gefordert und die USA als Hauptverdächtigen bezichtigt. „Es ist aber offensichtlich, dass der Hauptnutznießer (der Pipeline-Explosionen), vor allem wirtschaftlich, die USA sind“, sagte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Freitag auf einer Sitzung mit den Geheimdienstchefs der GUS-Staaten.

Patruschew warf dem Westen vor, sofort nach Bekanntwerden der Lecks eine Kampagne gegen Russland gestartet zu haben. Daher sei es nötig, die Kooperation der Geheimdienste innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), ein loser Staatenverbund ehemaliger Sowjetstaaten, zu vertiefen und die „Auftraggeber und Erfüllungsgehilfen des Verbrechens“ zu enthüllen.

Energieexpertin Claudia Kemfert warnt vor weiteren Anschlägen auf die Energieversorgung

Update vom 29. September, 11.26 Uhr: Die Energieexpertin Claudia Kemfert warnt nach den vermutlich durch Sabotage herbeigeführten Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 vor künftigen Anschlägen auf die Energieversorgung in Europa. „Wir sind in einem fossilen Energiekrieg. Die Mittel, die da gewählt werden, sind drastisch“, sagte Kemfert im Fernsehsender phoenix. Dass es jetzt Sabotage-Akte gebe und die Energieversorgung in Gefahr geraten könne, entspreche voll und ganz dem Drehbuch des russischen Präsidenten Putin. „Wir sollen in Angst und Schrecken verfallen und müssen jetzt damit rechnen, dass es Anschläge auf alle möglichen Bereiche gibt“, so die Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Konkret nannte sie die Gefahr von Cyber-Angriffen auf Atomkraftwerke. Schon jetzt beobachte man Versuche der Destabilisierung von Energieversorgungssystemen. „Das muss uns in große Sorge versetzen und das müssen wir sehr ernst nehmen.“ Auch seien enorme Umweltschäden zu befürchten. „Aus Klimasicht ist das hochproblematisch, weil Methan, das entweicht, ein sehr gefährliches Klimagas ist“, meinte Kemfert. Hinzu komme die Unsicherheit, bei Anschlägen auf Pipelines nicht mehr zu wissen, ob und wie viel Gas künftig noch in Europa zur Verfügung stehe.

Viertes Leck in den Nord-Stream-Pipelines entdeckt

Update vom 29. September, 7.56 Uhr: In der Ostsee ist ein viertes Leck in Nord-Stream-Pipelines entdeckt worden. Das teilte die schwedische Küstenwache am Donnerstagmorgen mit.

„Es gibt zwei Lecks auf schwedischem Gebiet und zwei auf dänischem“, erklärte ein Verantwortlicher der schwedischen Küstenwache gegenüber der Nachrichtenagentur AFP - die beiden Lecks auf schwedischem Gebiet lägen „nahe beieinander“.

Schwedische Medien berichteten, dass sich das neu festgestellte Leck an der Pipeline Nord Stream 2 befinde. Die schwedische Küstenwache machte zunächst keine genauen Angaben zur Lage des neu festgestellten Lecks und dazu, weshalb es erst jetzt entdeckt wurde. Beide Schadstellen in der schwedischen Wirtschaftszone befänden sich aber „im selben Sektor“.

Russland und USA beschuldigen einander der Sabotage

Update vom 29. September, 6.44 Uhr: Wer steckt hinter den Angriffen auf die Nord-Stream-Pipelines? Diese Frage ist derzeit nicht seriös zu beantworten. Klar scheint, dass es sich um einen staatlichen Sabotageakt handelt. Häufig als Verursacher genannt werden die USA und Russland. Beide Staaten machen sich zumindest gegenseitig Vorwürfe.

Laut einem russischen Medienbericht könnte ein US-Hubschrauber an den Lecks in den beiden Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 beteiligt sein. „Der Mehrzweck-Helikopter MH-60R Strike Hawk hat neun Stunden lang - von 19:30 Moskauer Zeit am Sonntag, dem 25. September bis 4:30 Uhr Moskauer Zeit am Montag, dem 26. September über der Ostsee gekreist; etwa 250 Kilometer von der dänischen Insel Bornholm entfernt, wo der Gasaustritt festgestellt wurde“, schrieb die Internetzeitung lenta.ru am Mittwoch unter Berufung auf Daten von Flightradar. Der Kampfhubschrauber könne unter anderem auch Unterwasserziele bekämpfen, betonte das als kremlnah geltende Medium.

Die US-Zeitung New York Times wiederum berichtete, dass es sich bei den Pipeline-Lecks offenbar um geplante Detonationen von russischer Seite handelt. Laut einer Quelle aus Verteidigungskreisen ist die Pipeline „wahrscheinlich vorsätzlich und geplant“ unter Verwendung eines Sprengsatzes sabotiert worden. Der Sprengsatz sei schon Wochen vor der Detonation ins Meer geworfen worden.

Gasleck bei Nord Stream 1
Das Nord Stream 1-Gasleck in der Ostsee, fotografiert aus einem Flugzeug der schwedischen Küstenwache. © Swedish Coast Guard/dpa

Russland leitet wegen Nord-Stream-Beschädigung Terrorismus-Ermittlungen ein

Update vom 28. September, 20.16 Uhr: Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben wegen der mutmaßlichen Sabotage an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 ein Verfahren wegen internationalen Terrorismus eingeleitet. „Nicht später als am 26. September 2022 wurden im Bereich der Insel Bornholm vorsätzliche Handlungen zur Beschädigung der auf dem Ostseeboden verlegten Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 verübt“, teilte die russische Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch auf ihrem Telegram-Kanal mit.

Moskau begründete den Schritt damit, dass mit der Beschädigung der Pipelines „Russland erheblicher wirtschaftlicher Schaden zugefügt“ worden sei. Gazprom hat bis Ende August durch die Pipeline Nord Stream 1 Gas nach Europa gepumpt, diese Lieferungen dann aber unter Verweis auf technische Probleme, die sich wegen Sanktionen angeblich nicht lösen ließen, eingestellt. Die Bundesregierung nannte die Begründung vorgeschoben und vermutete politische Beweggründe hinter dem Lieferstopp.

Sabotage? Moskau wirft Washington Einflussnahme an Nord-Stream-Leck vor

Update vom 28. September, 18.03 Uhr: Angesichts der Lecks an den Nord-Stream-Röhren deutete das russische Außenministerium an, US-Präsident Joe Biden könnte eine Sabotage der Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 angeordnet haben. „Der US-Präsident muss auf die Frage antworten, ob die USA ihre Drohung umgesetzt haben“, schrieb Maria Sacharowa im Online-Dienst Telegram.

Sacharowa verwies dabei auf Äußerungen Bidens im Februar bei einem Washington-Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Biden hatte mehrere Wochen vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewarnt, sollte Russland im Nachbarland einmarschieren, „dann wird es kein Nord Stream 2 mehr geben“. Das „verspreche“ er, betonte der Präsident, ohne nähere Angaben zu machen. „Wir werden dem ein Ende bereiten.“

Die US-Regierung wies die Andeutungen Russlands als „lächerlich“ zurück. „Wir alle wissen, dass Russland eine lange Geschichte der Verbreitung von Falschinformationen hat, und es tut es hier jetzt wieder“, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, Adrienne Watson.

Schäden an Nordstream-Gasleitungen: Reparatur noch offen

Update vom 28. September, 16.26 Uhr: Ob die Nord-Stream-1-Pipeline wieder repariert werden kann, ist derzeit noch nicht klar. Für eine genaue Beurteilung müssten zunächst die Schäden begutachtet werden, erklärt der Betreiber der Gasleitung. Es gebe Erfahrungen und Anbieter für mögliche Arbeiten. Bevor ein Vorgehen festgelegt werden könne, müssten allerdings die Schäden untersucht werden. Es gebe bisher keine Bilder der eigentlichen Lecks. Man wolle die Schäden so schnell wie möglich inspizieren, das setze aber voraus, dass die Behörden die verhängten Sperrzonen aufhöben. Dies könne nach Angaben der dänischen Regierung jedoch noch ein bis zwei Wochen dauern.

Auch der Nord Stream 2 AG sind die genauen Schäden an ihrer weitgehend parallel verlaufenden Pipeline nach eigenen Angaben noch unbekannt. Es könne „kein Mensch momentan seriös sagen, wie es da unten aussieht“ und welche technischen Möglichkeiten es nun gebe, sagte Sprecher Ulrich Lissek. Das Ausmaß könne man nur anhand der umfangreichen Blasenbildung einschätzen. „Die strukturelle Integrität der Pipeline muss massiv beschädigt sein.“ Er sprach von einem möglichen „Riesenriss“.

Russland besitzt technische Möglichkeiten zur Sabotage

Update vom 28. September, 15.10 Uhr: Mit Vermutungen zur Schuldfrage bei den Gaslecks halten sich Regierungsvertreter bisher größtenteils zurück. Der Verdacht, dass Russland hinter der Sabotage steckt, ist jedoch groß. Wie die Daily Mail berichtet, hätte das Land auf jeden Fall die technischen Möglichkeiten, solche Leitungen zu beschädigen. Russland besitzt die größte Spionage U-Boot-Flotte der Welt. Hinzu kommen Unterwasserdrohnen. Beide dieser Möglichkeiten könnten genutzt werden, um Unterwasserinfrastruktur zu beschädigen.

Doch der Kreml hat Vorwürfe einer angeblichen Verantwortung Russlands für die Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 zurückgewiesen. „Es ist ziemlich vorhersehbar, dumm und absurd, solche Annahmen zu treffen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax. In der Ukraine gab es Vorwürfe, Russland habe die Pipelines gezielt sabotiert, um die Energiekrise in Europa zu verschärfen und Panik vor dem Winter auszulösen.

Energie-Experte äußert „besorgniserregende“ Schlussfolgerung

Update vom 28. September, 12.15 Uhr: Wer war es? Das ist wohl die Frage, die sich seit der Entdeckung der Gaslecks am meisten aufdrängt. Experten und Regierungsvertreter etlicher Länder sind sich sicher, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um gezielte Sabotage handelt. Auch der Energie-Professor Lion Hirth von der Hertie Universität in Berlin sieht das so. Auf seinem Twitter-Account hat er die Lage analysiert – und ist zu einem recht eindeutigen Schluss gekommen.

Für Hirth ist es äußerst unwahrscheinlich, dass die Ukraine die beiden Pipelines beschädigt hat. Schließlich könnte das Auswirkungen auf die Unterstützung der Ukraine durch die EU-Mitglieder haben. Auch NATO-Mitglieder schließt der Professor aus. „Es ist schwer vorstellbar, dass ein NATO-Mitglied so etwas tut, selbst diejenigen, die den Pipeline-Projekten am kritischsten gegenüberstehen.“

Somit bliebe also nur noch Russland. „Wenn das stimmt, ist das ziemlich besorgniserregend. Zumindest bedeutet es, dass Russland die Brücken abbrennt: Es sendet das deutlichste Signal, dass es in nächster Zeit kein Gas mehr liefern wird“, schreibt Hirth auf Twitter. Noch viel kritischer sieht er aber die Verwundbarkeit der Energieinfrastruktur, welche mit diesem Gasleck offengelegt wurde. „Ein ähnlicher Angriff auf eine Pipeline von Norwegen nach Großbritannien, Deutschland oder Polen hätte enorme Auswirkungen auf die europäische Gasversorgung.“

Schwedische Küstenwache liefert neue Gasleck-Bilder

Update vom 28. September, 11.40 Uhr: Die schwedische Küstenwache hat neue Bilder von einem der Gaslecks im Meer gepostet. Darauf ist deutlich zu erkennen, mit welcher Wucht das Gas aus dem Wasser sprudelt. Auf Twitter zeigen sich die Nutzer schockiert von dem Videoclip. Ein User schreibt: „Das sieht schrecklich aus“. Doch die Küstenwache gibt zumindest vorübergehend Entwarnung. Auf ihrer Website schreibt sie: „Aufgrund der aktuellen Situation ist es nicht möglich, die Freisetzung zu begrenzen oder zu bekämpfen, aber das Gas löst sich nach und nach sowohl im Wasser als auch in der Luft auf.“

EU hält Sabotage für wahrscheinlich und droht mit Gegenmaßnahmen

Update vom 28. September, 08.54 Uhr: Die EU hält Sabotage als Ursache für die Lecks an den Gas-Pipelines Nord Stream 1 und 2 für wahrscheinlich und hat mit Gegenmaßnahmen gedroht. „Alle verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass diese Lecks das Ergebnis einer vorsätzlichen Handlung sind“, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Mittwoch im Namen der 27 Mitgliedstaaten. Jede vorsätzliche Störung der europäischen Energieinfrastruktur werde „mit einer robusten und gemeinsamen Reaktion beantwortet werden“.

CIA soll Bundesregierung schon vor Wochen vor Anschlägen auf Ostsee-Pipelines gewarnt haben

Update vom 27. September, 21.43 Uhr: Der Geheimdienst CIA habe die deutsche Bundesregierung laut einem Bericht des Spiegels schon vor Wochen vor möglichen Anschlägen auf die Ostsee-Pipelines gewarnt. Ein solcher Hinweis des US-Auslandsgeheimdienstes sei im Sommer in Berlin eingegangen, hieß es in dem Bericht am Dienstag unter Berufung auf „mit dem Sachverhalt vertrauten Personen“.

Update vom 27. September, 19.13 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck äußerte sich am Dienstag zunächst vorsichtig zu den Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2. Spekulationen über die Ursachen verbieten sich so lange, wie die Aufklärung noch nicht erfolgt sei, betonte der Grünen-Politiker.

Gasleck bei Nord Stream 2
Das vom dänischen Verteidigungskommando zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Nord-Stream 2-Gasleck in der Nähe von Bornholm aus der Luft. © Danish Defence Command/dpa

Auf die Frage, wie besorgt er generell sei über Attacken auf das Energienetz, sagte Habeck: „Wir sind natürlich in einer Situation in Europa und auch in Deutschland, wo kritische Infrastruktur - und die Energieversorgung darf man dazu insgesamt zählen - potenzielle Ziele sind.“ Dies habe man in einem kleineren Umfang schon gesehen, sagte er mit Blick auf Windparks. „Natürlich ist die kritische Infrastruktur ein potenzielles Ziel, aber das wissen wir nicht erst seit gestern, sondern das ist Grundlage der Arbeit seit Monaten gewesen.“

Ukraine macht Russland für Lecks an Nord Stream 1 und 2 verantwortlich

Update vom 27. September, 18.12 Uhr: Die Ukraine macht Russland für die Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines verantwortlich. „Das ist nichts anderes als ein von Russland geplanter Terrorakt und ein Aggressionsakt gegen die EU“, schrieb der externe Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, beim Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag. Moskau wolle damit die wirtschaftliche Situation in Europa destabilisieren und „Panik vor dem Winter“ erzeugen.

Nach gleich drei Lecks in nur kurzer Zeit an den Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 wird ein Sabotageakt nicht ausgeschlossen. In Polen, Russland und Dänemark wird ein gezielter Anschlag auf die europäische Gasinfrastruktur als Ursache für die als beispiellos geltenden Schäden an beiden Pipelines für denkbar gehalten. Die genaue Ursache für die Schäden ist bisher noch offen.

Deutsche und dänische Behörden verwiesen darauf, dass die Vorfälle keine Auswirkung auf die Gasversorgung hätten, da die Leitungen zuletzt nicht für den Gasimport benutzt worden seien.

Update vom 27. September, 16.12 Uhr: Messstationen in Schweden und Dänemark haben einem Medienbericht zufolge vor dem Entstehen der Nord-Stream-Gaslecks in der Ostsee kräftige Detonationen unter Wasser verzeichnet. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass es sich um Sprengungen handelt“, sagte der Seismologe Björn Lund vom Schwedischen Seismologischen Netzwerk (SNSN) am Dienstag dem schwedischen Rundfunksender SVT. „Man kann sehr deutlich sehen, wie die Wellen vom Meeresgrund an die Oberfläche springen.“

Es habe am Montag zwei deutliche Detonationen in dem Gebiet gegeben, berichtete der Sender unter Berufung auf das Netzwerk – eines in der Nacht um 2.03 Uhr und ein zweites um 19.04 Uhr am Abend.

Erste Bilder zeigen Ausmaß der Schäden an den Pipelines

Update vom 27. September, 15.43 Uhr: Neue Aufnahmen der dänischen Marine zeigen, wie das Gas im Meer entweicht. Auf der Website der dänischen Marine heißt es dazu: „Nachdem die drei Gaslecks an den Nord Stream Gaspipelines in der Ostsee aufgetreten sind, wurden aus Gründen der Sicherheit des Schiffs- und Flugverkehrs Sperrzonen um die Lecks eingerichtet.“

Ein Gasleck
Die Bilder der dänischen Streitkräfte zeigen, wie das Gas im Meer entweicht. © Screenshot/Twitter @forsvaretdk

Schiffe und Hubschrauber sind in der Gegend unterwegs, um die Sperrzonen zu überwachen. Zu einem Video, welches aus einem Hubschrauber aufgenommen wurde, heißt es: „Das größte Gasleck verursacht Turbulenzen an der Oberfläche mit einem Durchmesser von etwas mehr als 1 Kilometer. Der kleinste macht einen Kreis von ungefähr 200 Metern.“

Selenskyj-Berater sieht Gasleck als „geplanten Terroranschlag“

Update vom 27. September, 15.25 Uhr: Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj bezieht auf Twitter deutlich Stellung zu den Gaslecks in den beiden Pipelines. „Das ‚Gasleck‘ von NS-1 ist nichts weiter als ein von Russland geplanter Terroranschlag und ein Akt der Aggression gegenüber der EU“, schreibt Mykhailo Podolyak auf dem Kurznachrichtendienst. Weiter schreibt er: „Russland will die Wirtschaftslage in Europa destabilisieren und eine Vorwinterpanik auslösen.“ Die beste Antwort und Investition für die Sicherheit wäre die Lieferung von Panzern in die Ukraine. „Vor allem die deutschen …“, ergänzt er.

Kreml „äußerst beunruhigt“ über den Vorfall

Update vom 27. September, 13.07 Uhr: Russland schließt angesichts der Lecks an den Nord-Stream-Gaspipelines Sabotage oder andere Gründe nicht aus. „Jetzt kann keine Variante ausgeschlossen werden“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag auf die Frage, ob Sabotage der Grund sein könne für den Druckabfall. „Offensichtlich gibt es eine Zerstörung der Leitung. Und was der Grund dafür ist – da kann man bis zu dem Zeitpunkt, bis die Ergebnisse der Untersuchungen auftauchen, keine Variante ausschließen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Erdgasleitung aus Russland
Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 2 in Lubmin. © Stefan Sauer/dpa

Der Kreml sei „äußerst beunruhigt“ über den Druckabfall in den Ostseepipelines Nord Stream 1 und 2. Die Nachrichten seien alarmierend. Die Schäden an den Leitungen müssten untersucht werden. „Das ist eine absolut nie dagewesene Situation, die einer schnellen Aufklärung bedarf“, sagte Peskow.

Sicherheitsexperten vermuten Sabotage an Nord Stream Pipelines

Update vom 27. September, 11.45 Uhr: Die Lecks in der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 sind in dänischen und in den schwedischen Hoheitsgewässern aufgetreten. Wie bereits bei der Nord-Stream-2-Pipeline tritt das Gas in der Nähe der zu Dänemark gehörenden Insel Bornholm aus, wie die Behörden beider Länder am Dienstag mitteilten. Ein Leck in Nord Stream 1 befindet sich demnach auf dänischem und das andere auf schwedischem Gebiet.

Die Behörden in Deutschland und Dänemark suchen weiter nach der Ursache für die beiden Lecks. Die dänische Marine und deutsche Spezialisten bemühten sich um Aufklärung, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagmorgen aus Sicherheitskreisen. Bislang sei die Ursache für die Vorfälle nicht geklärt. Jedoch spreche einiges für Sabotage. Sollte es sich um einen Anschlag handeln, würde angesichts des technischen Aufwands eigentlich nur ein staatlicher Akteur infrage kommen.

Nach Nord Stream 2: Auch Druckabfall in Schwesterpipeline Nord Stream 1

Erstmeldung vom 26. September, 13.32 Uhr: Lubmin – Einen Tag nach der Gaspipeline Nord Stream 2 ist nun auch in der deutsch-russischen Energietrasse Nord Stream 1 der Druck stark gefallen. Betroffen sind beide Röhren von Nord Stream 1, wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte. Demnach sank die Kapazität der Pipeline ungeplant auf null. Die Ursache werde untersucht.

Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) und Bundesnetzagentur teilten übereinstimmend mit, man stehe miteinander und mit den betroffenen Behörden im Austausch, um den Sachverhalt aufzuklären. „Aktuell kennen wir die Ursachen für den Druckabfall nicht“, hieß es.

Nord Stream 2 als erstes von Druckproblemen betroffen

In der Nacht auf Montag war zuvor bereits in der Schwesterpipeline Nord Stream 2 ein solcher Druckabfall festgestellt worden, jedoch nur in einer der beiden Röhren. Im Laufe des Montags wurde hierfür von den zuständigen Marinebehörden ein Leck südöstlich der dänischen Insel Bornholm als wahrscheinliche Ursache identifiziert.

Nord Stream 2
Die Ostseepipeline Nord Stream 2 ist seit langem umstritten – jetzt gab es einen nächtlichen Zwischenfall in einer der Röhren. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die zuständige dänische Behörde gab am Montagnachmittag einen entsprechenden Hinweis heraus. Es sei ein Gasleck beobachtet worden. Das Leck sei gefährlich für die Schifffahrt und das Fahren innerhalb eines Bereichs von fünf Seemeilen von der besagten Position verboten. Eine große Gefahr für die Umwelt besteht aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zumindest kurzfristig nicht.

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