Porsche weist Angebot von VW zurück

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Porsche hat ein Angebot zur Rettung durch VW zurückgewiesen.

Stuttgart - Die gemeinsame Zukunft von VW und Porsche wird immer fraglicher. Ein Angebot aus Wolfsburg, für Milliarden knapp die Hälfte der Porsche AG zu übernehmen, schlugen die Stuttgarter am Montag aus.

Welche Konsequenzen aus der Abfuhr folgen, ist zunächst offen. Bei VW hieß es dazu nur “kein Kommentar“. Auch ob das “Rettungsangebot“ ein Ultimatum darstellt, ist nicht bekannt.

Der Machtpoker um die beiden Autobauer wird immer chaotischer. Für Irritationen sorgten am Montag abermals widersprüchliche Angaben aus Wolfsburg und Stuttgart. Porsche hatte mit vielen Details den Eingang eines Angebots des VW-Vorstands an Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche bestätigt. Ein Kurier habe es in der vergangenen Woche abgegeben, sagte ein Porsche-Sprecher. Darin habe der VW-Vorstand angeboten, sich mit knapp 50 Prozent an der Porsche AG zu beteiligen. “Es wurden uns Fristen bis Ende Juni gesetzt“, sagte der Sprecher. Volkswagen hatte jedoch erneut betont, es gebe kein Ultimatum und auch keinen Brandbrief des Vorstands.

Der Branchenbeobachter der Nord/LB Frank Schwope sagte, eine so kuriose Situation habe er noch nie erlebt. Und die Debatte werde die Entwicklung sicher nicht weiterbringen, sondern nur Unruhe und Unsicherheit schüren. “Wenn Chaos herrscht und keiner weiß, wie es weitergeht, vergrätzt man damit auch Investoren“, warnte Schwope.

Christian Wulff verlangt Entscheidung

Der Druck auf Porsche und vor allem Vorstandschef Wendelin Wiedeking wird immer größer. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verlangte von Porsche eine Entscheidung. “Es liegen jetzt alle Fakten auf dem Tisch“, sagte er am Montag. Nun müsse geklärt werden, ob jeder seinen eigenen Weg gehe oder nicht. Und fügte hinzu: “Einen gemeinsamen Weg halte ich für sinnvoll.“ Das aber ist ein Kern des Streits.

Porsche wehrt sich mit aller Kraft gegen eine Übernahme durch Volkswagen. Denn das würde voraussichtlich Porsche-Chef Wiedeking die Macht kosten. Er hatte die Übernahme vorangetrieben, bei der sich der Sportwagenbauer hoch verschuldet hat. Sein Gegenspieler, der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, treibt dagegen die Schaffung eines großen integrierten Autokonzerns voran, in dem Porsche als eigenständiges Unternehmen wie Audi und andere eine von zehn Konzernmarken wäre. Und so soll laut “Spiegel“ auch der jüngste Rettungsplan von Piëch, Wulff und der VW-Spitze ausgetüftelt worden sein.

Die Stuttgarter ließen aber am Montag wissen, ein Teilverkauf des Porsche-Autogeschäfts an Europas größten Autobauer sei “nicht umsetzbar“. Porsche könne auf das Angebot gar nicht eingehen, weil dann sofort ein Kredit über 10,75 Milliarden Euro fällig werde, den das Unternehmen sich gesichert habe. Dies sei in dem Kreditvertrag mit dem Bankenkonsortium vorgesehen.

Seine Hoffnungen setzt Wiedeking auf das Emirat Katar. Sollte ihm bei den seit längeren laufenden Gesprächen eine Einigung gelingen, könnte er den Kopf vielleicht doch noch aus der Schlinge ziehen. Derzeit liefen die Gespräche, heißt es bei Porsche. Doch einem Medienbericht zufolge droht der große Hoffnungsträger abzuspringen, sollte das Gezerre um die Macht zwischen Stuttgart und Wolfsburg nicht endlich ein Ende finden.

ap

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