Quelle-Rettung ungewiss

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Erst am Montag wird es eine Entscheidung über den Massekredit für Quelle geben.

Fürth/Berlin - Die Rettung des insolventen Versandhändlers Quelle mit seinen rund 8000 Arbeitsplätzen hängt weiterhin am seidenen Faden. Erst am Montag will die Bundesregierung eine Entscheidung treffen.

CSU-Chef Horst Seehofer forderte die Bundesregierung am Sonntag eindringlich auf, sich an dem zum Überleben notwendigen Kredit in Höhe von 50 Millionen Euro zu beteiligen. “Man muss sich die Frage stellen: Wie sehr gefährdet die Politik durch ihr Verhalten Arbeitsplätze?“, sagte der bayerische Ministerpräsident in Berlin mit Blick auf die zögernde Haltung des Bundes. Bis Montag müsse eine Entscheidung fallen. Seehofer forderte ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel begründete die tagelange Prüfung eines Kredits für Quelle mit den strengen Vorgaben der Europäischen Union für staatliche Hilfen. “Wir müssen mit dem ganzen Vorgang zur EU“, sagte Merkel am Sonntagabend in Berlin. Es wäre Quelle nicht geholfen, wenn das Wirtschafts- und das Finanzministerium am Donnerstag oder Freitag vorschnell dem Massekredit über 50 Millionen Euro zugestimmt hätten und dann am Montag die EU-Kommission in Brüssel das Vorhaben abgelehnt hätte. Merkel betonte, es liefen intensive Prüfungen, der Antrag müsse aber mit der notwendigen Sorgfalt behandelt werden.

Quelle-Chef Konrad Hilbers warnte vor Spekulationen über eine drohende Abwicklung des Unternehmens. “Dafür gibt es keinen Anlass“, sagte Hilbers in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Durch derartige Aussagen spitze sich die Lage bei Quelle nur noch weiter zu. “Das ist für uns überhaupt nicht hilfreich.“ Für Unruhe hatten zuvor Informationen der “Süddeutschen Zeitung“ gesorgt, wonach Quelle in der Bundesregierung als nicht überlebensfähig angesehen werde. Seehofer bezeichnete den Bericht am Rande einer Parteiveranstaltung als “unverantwortlich.“ Darin war auch von einem ranghohen Mitglied der bayerischen Staatsregierung die Rede, das die Liquidation von Quelle als denkbares Szenario bezeichnet haben soll. “Diesen Minister gibt es nicht“, sagte Seehofer. Quelle habe eine Chance verdient und werde sie auch nutzen, wenn der Bund handele.

An dem Kredit für den Konzern mit Sitz in Fürth bei Nürnberg soll der Bund mit 25 Millionen Euro die Hälfte übernehmen. Bayern will 21 Millionen Euro beisteuern, das Land Sachsen, das ebenfalls um Quelle- Arbeitsplätze in seiner Region bangt, will 4 Millionen Euro geben. Mit der Grundsatzentscheidung aus Berlin über den sogenannten Massekredit für die insolvente Arcandor-Tochter wird nach einer Sitzung am Montagabend gerechnet. Ein Massekredit ist eine Nothilfe, mit der insolvente Unternehmen ihren Betrieb aufrechterhalten können. Seehofer sagte, es sei nicht nachvollziehbar, die zögerliche Haltung des Bundes mit fehlenden Sicherheiten zu begründen. Auch Bayern beteilige sich schließlich an fast der Hälfte des Kredits. “Wir sind auch nicht daran interessiert, dass wir leichtfertig Steuergelder aufs Spiel setzen.“

Mit Blick auf die sich seit Tagen hinziehende Hängepartie sprach Seehofer von einem “eigenartigen Verfahren“. Wie am Wochenende bekanntwurde, ist die Notlage des Konzerns noch schlimmer als befürchtet. Seit fast drei Wochen muss das Unternehmen ohne eigene finanzielle Mittel auskommen, weil es sein letztes Geld Stunden vor dem Insolvenzantrag Anfang Juni an den Mutterkonzern Arcandor überwiesen hatte. Dies habe mit der Krise nichts zu tun gehabt, sondern sei ein übliches Verfahren, sagte ein Arcandor- Sprecher und bestätigte einen Bericht der “Süddeutschen Zeitung“. Quelle ist seitdem auf die Großzügigkeit der Lieferanten angewiesen, die mit ihren Waren und Dienstleistungen in Vorleistung gingen. “Aber irgendwann ist die Geduld zu Ende“, sagte Hilbers.

Auch die Druckerei des Quelle-Katalogs hatte sich am Freitagabend trotz der Risiken entschlossen, vorläufig mit der Auslieferung des neuen Katalogs zu beginnen. Dies geschehe auch im Vertrauen auf den politischen Willen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik, begründete die Druckerei Prinovis ihren Entschluss. Die Insolvenz des Versandhauses Quelle wäre nach Angaben des Mutterkonzerns Arcandor durch einen Verzicht auf die umstrittenen Geldüberweisungen nicht zu verhindern gewesen. Wegen des Geldbedarfs von Quelle in den umsatzschwächeren Sommermonaten hätte auch eine Kündigung des sogenannten “Cash Poolings“ die Insolvenz “definitiv nicht verhindert“, erklärte Arcandor-Finanzvorstand Rüdiger Günther.

Das “Cash Pooling“, bei dem Tochterfirmen flüssige Mittel an die Mutter überführen, sei ein “vollkommen übliches Instrument des Finanzmanagements in Konzernen.“ Die Tochterfirmen würden bei Kontounterdeckungen aus diesem Pool wiederum mit Geld versorgt. Neckermann-Chef Henning Koopmann lehnte staatliche Hilfe für den Konkurrenten Quelle ab. “Ich finde es unfair, wenn Quelle vom Staat unterstützt wird“, sagte er der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Regierung solle nicht eingreifen. “Ein Staatskredit macht momentan vielleicht 8000 Arbeitsplätze bei Quelle sicherer, gleichzeitig macht er aber 72 000 Arbeitsplätze bei den anderen Versendern in Deutschland unsicherer.“

dpa

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