Schweiz mit "ultimativer Waffe" gegen Franken

+
Eine Euro-Münze (l) und ein Schweizer Franken.

Zürich - Die Schweizer Wirtschaft leidet unter dem starken Franken - und droht den Kampf zu verlieren. Immer häufiger ertönte bei Unternehmern der Ruf, die Regierung müsse eingreifen. Nun handelt die Nationalbank.

Der Schweizer Nationalbank SNB ist der Geduldsfaden gerissen: Die Zentralbank begegnet der im Vergleich zum Euro rekordstarken heimischen Währung mit einer der heftigsten Gegenmaßnahmen, die ihr zur Verfügung stehen. Sie setzt dem Kurs des Schweizer Franken eine Höchstgrenze, die sie unter allen Umständen verteidigen will. 

Chronologie der Schuldenkrise im Euroland

Euro-Schuldenkrise - Eine Chronologie

Marktbeobachter zeigten sich von der Intervention der SNB am Dienstag zwar nicht grundsätzlich überrascht. Der entschlossene Schritt hatte sich in den vergangenen Wochen angedeutet. Die drastische Wortwahl der Notenbank sorgte aber für großes Staunen.

Die SNB will einen Wechselkurs von unter 1,20 Franken je Euro künftig nicht mehr tolerieren. Damit legt sie faktisch einen Höchstkurs für den Franken von 0,833 Euro fest.

Hintergrund der Intervention ist die heftige Aufwertung des Franken in den vergangenen Monaten und Jahren: Ausgehend von einem Kurs von 0,60 Euro Ende 2007 hat der Franken zu vielen wichtigen Währungen stark zugelegt. Seither stieg die Schweizer Währung zum Euro um bis zu 60 Prozent auf fast einen Euro. Nachdem die SNB in der Vergangenheit mehrmals daran gescheitert war, wesentlich geringere Höchstkurse als 0,833 Euro je Franken zu verteidigen, hatte sie ihre Maßnahmen unlängst intensiviert.

Den Leitzins senkte sie auf faktisch null Prozent, den heimischen Geldmarkt flutete sie massiv mit Liquidität. All dies hinderte die Investoren aber nicht, die Schweizer Währung wegen der Schuldenkrise weiter als “sicheren Hafen“ anzulaufen.

Was die Notenbank nun aus dem Köcher zieht, nennt UniCredit-Experte Alexander Koch die “ultimative Waffe“: Nicht nur, dass die SNB erstmals seit langem wieder direkt am Devisenmarkt interveniert. Mit der nunmehr anvisierten Höchstgrenze des Franken fährt sie ein Geschütz auf, das sie mehr als dreißig Jahre nicht mehr eingesetzt hat. Zuletzt hatte sie im Jahr 1978 eine Obergrenze zur damaligen Deutschen Mark festgesetzt. Seinerzeit konnte die Notenbank zwar die Aufwertung des Franken stoppen, allerdings nur um den Preis einer stark steigenden Inflation.

An den Finanzmärkten fiel die Reaktion auf den jüngsten Eingriff der SNB heftig aus: So gab der Franken zu vielen wichtigen Währungen kräftig nach, insbesondere zum Euro und zum Dollar. Umgekehrt sprang der Euro innerhalb weniger Minuten über die von der Notenbank anvisierte Untergrenze von 1,20 Franken je Euro.

“Die Schweizer Notenbank hat die Märkte mit ihren scharfen Aussagen vehement überrascht“, sagte Devisenexperte Sebastian Sachs vom Bankhaus Metzler. Das direkte Eingreifen der SNB am Devisenmarkt verbunden mit einer festen Kursobergrenze sei “die letzte Möglichkeit“, um den starken Franken zu schwächen und der heimischen Export-Wirtschaft Luft zu verschaffen.

Eine andere Frage ist jedoch, ob die Notenbank den Franken nachhaltig schwächen kann. Auf der einen Seite gilt die Obergrenze von 0,833 Euro je Franken als vergleichsweise hoch, was die Erfolgsaussichten der Notenbank steigert. Darüber hinaus verfügt die SNB über reichliche Mittel zur Schwächung des Franken, da sie ihre heimische Währung am Markt nahezu unbegrenzt verkaufen kann. “Dennoch kann die Notenbank unter Druck geraten, wenn sich die Märkte gegen die SNB stellen und weiter auf einen starken Franken wetten“, gibt Metzler-Experte Sachs zu bedenken.

Klar dürfte jedoch sein, dass die SNB nicht auf die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgreifen kann. Man nehme die Entscheidung der SNB “zur Kenntnis“, teilte die EZB am Dienstag trocken mit. Die Intervention liege allein im Verantwortungsbereich der Schweizer Notenbank. “Ich interpretiere das als klaren Hinweis, dass sich die EZB nicht am Kurs der SNB beteiligen wird“, resümiert Experte Sachs. Die Zurückhaltung der EZB dürfte es der Schweizer Notenbank aber nicht unbedingt einfacher machen, den starken Franken nachhaltig zu schwächen.

dpa

Meistgelesen

Video
Radikale Wende: Diese Spar-Maßnahme könnten Lidl-Kunden bald spüren
Radikale Wende: Diese Spar-Maßnahme könnten Lidl-Kunden bald spüren
Apple mit Clou: Drei wichtige Neuerungen bei iPhone und iPads
Apple mit Clou: Drei wichtige Neuerungen bei iPhone und iPads
Merkel: Digitalisierung revolutioniert die Wirtschaft
Merkel: Digitalisierung revolutioniert die Wirtschaft
Ex-HRE-Chef Funke gibt vor Gericht Steinbrück die Schuld
Ex-HRE-Chef Funke gibt vor Gericht Steinbrück die Schuld

Kommentare