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Seehafenbetriebe fordern Verdi zu Kompromissbereitschaft auf

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Hafenstreik
Hafen-Beschäftigte demonstrieren in der Hamburger Innenstadt. © Marcus Brandt/dpa

Sieben Verhandlungsrunden haben Seehafenbetriebe und Verdi vergeblich um einen neuen Tarifvertrag gerungen. Das Ergebnis: Heftige Streiks. Die Arbeitgeber appellieren nun an beide Seiten.

Hamburg - Im festgefahrenen Tarifkonflikt um die Löhne der Hafenarbeiter haben die Arbeitgeber die Gewerkschaft Verdi zu Kompromissbereitschaft aufgefordert. Ein Kompromiss müsse gefunden werden „im Sinne der Verantwortung, die wir gemeinsam dafür haben, dass die Seehäfen funktionieren“, sagte die Verhandlungsführerin des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Ulrike Riedel, der Deutschen Presse-Agentur.

Beide Seiten haben in bislang sieben Runden über einen neuen Tarifvertrag für die Hafenarbeiter an den Nordseehäfen verhandelt. Begleitet waren die Verhandlungen von drei Warnstreiks. Zuletzt hat Verdi damit in der vorigen Woche die Abfertigung von Schiffen für 48 Stunden lahmgelegt.

„Die Schwierigkeit in diesen Verhandlungen ist, dass wenn wir über Lösungswege diskutieren, Verdi sehr wenig kompromissbereit ist“, kritisierte Riedel. „Wir sprechen über Szenarien und Angebote, aber Verdi bleibt bei der Ursprungsforderung, so dass Annäherungsschritte im Moment nicht belastbar sind.“

Eine derart harte Tarifauseinandersetzung mit Streiks in den Häfen liegt in der kleinen, aber wichtigen Branche mehr als 40 Jahre zurück. Aus Sicht der Arbeitgeber ist die Gewerkschaft in diesem Jahr von einem langjährigen, eher konsensorientierten Kurs abgekommen. „Es gab lange Jahre das gemeinsame Verständnis, dass keine Seite die andere überfordern darf“, sagte Riedel. Beide Seiten hätten immer im Blick behalten, was ein Abschluss für die unterschiedlich leistungsfähigen Sparten der Hafenbranche bedeute. „Ich erlebe das in dieser Runde nicht mehr so.“

Inflation im Mittelpunkt

Die Gewerkschaft ist mit einem Forderungspaket in die Verhandlungen gegangen, das nach Verdi-Angaben in der Spitze Lohnerhöhungen von bis zu 14 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten bedeutet. „Verdi stellt das Thema Inflation absolut in den Mittelpunkt“, sagte Riedel.

Angesichts der derzeit besonders hohen Teuerung um die acht Prozent habe die Arbeitgeberseite zuletzt versucht, „über das Thema Laufzeit einen Kompromiss zu finden zwischen dem Thema hohe Forderung und Inflationsausgleich und dem Thema, wie können wir es sicherstellen, dass die Betriebe das auch wirtschaftlich leisten können“. Der ZDS beziffert das aus mehreren Komponenten bestehende Angebot über eine Laufzeit von 24 Monaten mit 12,5 Prozent für die Containerbetriebe und 9,6 Prozent in konventionellen Betrieben sowie 5,5 Prozent für angeschlagene „Beschäftigungssicherungbetriebe“, die einem Sanierungstarifvertrag unterliegen.

„Es fällt mir nicht ganz leicht, mir vorzustellen, an welchen Stellschrauben wir jetzt noch drehen sollen“, sagte Riedel. „Mit Blick auf die lange Laufzeit ist die Frage einer Anpassung im zweiten Jahr ein Punkt, über den wir im Moment noch diskutieren und wo wir über mögliche Mechanismen und Kriterien gesprochen haben. An dieser Stelle könnten wir mit Sicherheit noch einsteigen und das verfeinern“, deutete sie einen möglichen Lösungsweg an.

Weitere Arbeitskämpfe sind bis Ende August ausgeschlossen. Ein in der vorigen Woche vor dem Hamburger Arbeitsgericht geschlossener Vergleich sieht vor, dass die Tarifparteien bis Ende kommender Woche drei weitere Verhandlungstermine bis zum 26. August vereinbaren müssen. Verdi darf demnach in diesem Zeitraum zu keinen weiteren Warnstreiks aufrufen. dpa

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