Siemens verlängert Beschäftigungspakt für deutsche Firmen

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Das Siemens-Forum in München:  Der Konzern hat sich mit der IG Metall auf einen Beschäftigungspakt für seine deutschen Standorte geeinigt.

München - Der Weltkonzern Siemens hat sich mit der Gewerkschaft IG Metall auf einen Beschäftigungspakt für seine deutschen Standorte geeinigt.

Der Elektrokonzern Siemens macht mit seinem Beschäftigungspakt die Konjunkturerholung in Deutschland greifbar: Nach Krise, Kurzarbeit und Stellenstreichungen erhalten die rund 128 000 deutschen Mitarbeiter des Unternehmens weitreichende Zusagen zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Experten werten den Pakt mit der IG Metall nicht nur als Achtungssignal, dass der Konzern in seinen meisten Sparten wieder gut unterwegs ist. Das Beispiel zeige auch, wie sehr die Unternehmen darauf angewiesen sind, Fachkräfte und Stammbelegschaften zu halten, sagt der Konjunkturexperte Gernot Nerb vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung.

In den Medien stieß die Vereinbarung am Mittwoch auf breites Echo. Von “Beamtenstatus“ für die Siemensianer und unbefristeten Standort- und Jobgarantien war die Rede. Ganz so euphorisch will es nicht einmal die IG Metall sehen, die das Abkommen in den vergangenen Monaten mit der Unternehmensleitung ausgehandelt hatte.

Wer ist im DAX?

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Schon in den vergangenen beiden Jahren habe es ja eine ähnlich lautende Vereinbarung und dennoch Stellenstreichungen gegeben. Die Vereinbarung werde nun allerdings auf die Siemens-Töchter ausgeweitet und unbefristet fortgeschrieben. “Das heißt aber nicht, dass Siemens jetzt in der derzeitigen Form erstarrt und sagt: Wir restrukturieren nichts mehr. Da wird immer mal wieder was kommen“, erwartet Hagen Reimer vom Siemens-Team der IG Metall. Die Vereinbarung bringe die Arbeitnehmer aber in eine deutlich bessere Verhandlungsposition.

Wie hilfreich ein solcher Pakt sein kann, hatten die Arbeitnehmervertreter bei personellen Einschnitten im Siemens- Industriegeschäft gesehen, die zu Jahresbeginn verkündet wurden. Für den unterfränkischen Standort Bad Neustadt hatte der Konzern seine ursprünglichen Pläne abgemildert und statt 840 nur 540 Stellen gestrichen. Zudem verzichtete Siemens auf betriebsbedingte Kündigungen. Auch der neue Beschäftigungspakt sieht nun vor, dass sich die Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter erst einmal an einen Tisch setzen, falls sich unvermeidbare personelle Anpassungen abzeichnen.

Mit dem Abkommen honoriert Siemens auch die “konstruktive Zusammenarbeit“ mit den Arbeitnehmervertretern, wie es aus Unternehmenskreisen heißt. Während der Wirtschaftskrise, die auch dem Elektrokonzern mit weltweit rund 400 000 Beschäftigten zeitweise Auftragseinbrüche bescherte, hätten die Arbeitnehmervertreter etwa bei Lohnforderungen viel Augenmaß bewiesen. Hinzu kam die Kurzarbeit, die der Konzern in der Spitze auf bis zu 19 000 Beschäftigte ausdehnen musste und die den Arbeitnehmern auch Verzicht abverlangte.

Dass es Siemens auch darum geht, dem wachsenden Fachkräftemangel in Deutschland zu begegnen und Mitarbeiter zu binden, machte Konzernchef Peter Löscher bei Bekanntgabe der Vereinbarung am Mittwoch deutlich. “Siemens ist ein verantwortungsvoller Arbeitgeber. Jeder einzelne Mitarbeiter ist uns wichtig.“ So mancher Beschäftigte musste allerdings in den vergangenen Jahren lernen, dass auch Siemens im Zweifel vor allem auf den langfristigen Geschäftserfolg seiner Aktivitäten schauen muss. Auch nach dem Beschäftigungspakt dürfte sich das nicht komplett ändern, heißt es. “Wer sich Siemens angeguckt weiß, dass das alte Sprichwort vom Siemens-Beamten schon seit den Abbauwellen unter Heinrich von Pierer passé ist.“

Von Christine Schultze

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