Großreinemachen beim Konzern

Siemens holt Shell-Managerin in den Vorstand

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Siemens-Chef Joe Kaeser.

München - Neun Monate nach seinem Amtsantritt packt Siemens-Chef Joe Kaeser den größten Umbau seit Jahren bei Deutschlands größtem Elektrokonzern an.

Siemens will einem Bericht zufolge die derzeitige Strategiechefin des Ölkonzerns Shell in den Vorstand berufen und damit dem US-Rivalen General Electric (GE) Paroli bieten. Wie das "Manager Magazin online" berichtete, will der Siemens-Aufsichtsrat die US-Managerin Lisa Davis noch am Dienstag zur Nachfolgerin des amtierenden Energie-Vorstands Michael Süß bestellen. Süß werde zurücktreten, berichtete das Magazin unter Berufung auf Siemens-Kreise. Ein Konzernsprecher habe sich dazu nicht äußern wollen.

Dem Bericht zufolge will Konzernchef Joe Kaeser das Energiegeschäft in Zukunft von den USA aus führen. Das Unternehmen habe den dortigen Boom der Öl- und Gasbranche aufgrund der zunehmenden Förderung von Schiefergas bislang kaum mitgemacht. Mit der Ernennung von Davis wolle Siemens in den USA nun mehr Präsenz zeigen.

Was soll sich bei Siemens verändern?

Der Aufsichtsrat muss Kaesers Pläne bei seiner Sitzung im Tagesverlauf zwar noch absegnen. In Medienberichten und aus Kreisen sickerten viele Details aber in den vergangenen Wochen bereits durch: Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte dürfte sich demnach erledigen, und es soll weniger Divisionen geben. Dadurch ergäben sich auch Veränderungen im Hierarchie-Gefüge des Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts von Europas größtem Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce. Auch beim geplanten Verkauf seines Logistik-Geschäfts soll der Dax-Konzern nach Medienberichten entscheidend vorangekommen sein.

Wen treffen die Veränderungen?

Spekuliert wird seit Wochen über Tausende bedrohte Jobs - dabei hatte Siemens erst wegen des Sparprogramms 15 000 Stellen gestrichen. Betroffen sollen nun vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Das Unternehmen schweigt dazu. Eine Personalie sickerte aber bereits vor der Aufsichtsratssitzung durch: Der für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß wird wohl gehen müssen. Er war im vergangenen Jahr zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli vergangenen Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen und eine straffere Führung dürften die wichtigsten Ziele des Top-Managers sein. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen heißt dabei seine Devise.

Alstom-Deal: GE soll Angebot nachbessern

Der US-Mischkonzern General Electric (GE) rangelt mit dem deutschen Konkurrenten Siemens um die französische Alstom. Jetzt hat die französische Regierung von GE Nachbesserungen am Übernahmeangebot für den Hersteller von Kraftwerkstechnik und Hochgeschwindigkeitszügen verlangt.

„Das ist in dieser Form nicht akzeptabel“, sagte Frankreichs Präsident François Hollande dem französischen Sender BFMTV. Der Staatschef sprach von „ausreichenden Möglichkeiten“ für Einfluss auf das Verfahren, ohne dies näher zu präzisieren.

Zuvor hatte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg in einem Brief an GE-Chef Jeff Immelt ein Angebot auch für die Transportsparte von Alstom gefordert. Dem nur auf den Energiebereich bezogenen Angebot von GE könne die Regierung nicht zustimmen.

Siemens hatte in der vergangenen Woche ein eigenes Angebot im Übernahmepoker um Alstom unter der Voraussetzung angekündigt, dass Alstom Siemens Zugang zu Firmendaten für die Prüfung einer Übernahme gewährt.

Einen Tag später hatte der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE empfohlen. Der US-Konzern will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

dpa/afp

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