Abfall vermeiden - und Kunden schröpfen?

Supermarkt testet verrücktes Preis-System - Sorgen um Abzocke

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Der Supermarkt Albert Heijn in Holland testet ein selbstlernendes, dynamisches Preissystem

Lebensmittel wegwerfen, das will eine Supermarktkette nicht mehr. Ein Algorithmus soll die Preise tagsüber steuern. Eine Technik geeignet zur Abzocke.

Zandvoort/Holland - Klingt ganz smart, was die niederländische Supermarktkette Albert Heijn da testet: Einen Algorithmus, der anhand von Mindesthaltbarkeitsdatum und Vorrat im Geschäft die Warenpreise dynamisch und automatisch anpasst. So soll unter anderem am Abend kein Lebensmittel weggeworfen werden müssen - und somit unnötige Verschwendung verhindert werden.

Der Algorithmus geht sogar noch weiter, wie chip.de berichtet: Er bezieht das aktuelle Wetter mit ein - so kann zum Beispiel Grillfleisch bei Regen günstig angeboten und doch noch verkauft werden. Aber auch der Verkaufsverlauf der Produkte und anderer Sonderangebote werden miteinbezogen - heißt, wie viele Kunden an diesem Tag einen Artikel brauchen. Erste Erfahrungen fallen offenbar positiv aus.

Supermarkt „Albert Heijn“ testet Preis-Algorithmus: Elektronische Preisschilder machen‘s möglich

Und so funktioniert‘s: Das System sammelt die Daten zu den Artikeln und sendet den errechneten Preis an elektronische Preisschilder. Die aktualisieren sich ständig. Derzeit testet das Unternehmen das System in der Geflügel- und Fischabteilung einer Filiale in Zandvoort. Beraten hat das Unternehmen das israelische Startup „Wasteless“. Es hat bereits eine spanische Supermarktkette erfolgreich mit diesem System ausgestattet.

Bleibt abzuwarten, wie sich das System auf das Kaufverhalten auswirkt und ob es wirklich so viele Vorteile bringt. Es sticht zumindest weniger ins Auge als die Strategie, die Albert Heijn bisher angewendet hat, wenn die Haltbarkeit von frischen Produkten sich dem Ende neigt: Am letzten Verkaufstag versah er sie morgens mit einem Preisnachlass und dem Aufkleber "35%, zum Wegwerfen zu schade".

Supermarkt testet neue Preise: Das System könnte für die Kunden auch einen Haken haben

Wenn es funktioniert, ließe es sich natürlich auch in die andere Richtung einsetzen: Um maximale Gewinne zu erzielen. Einige Multimedia-Ketten praktizieren das bereits und gleichen die Marktpreise auch mit der Nachfrage im Internet ab. Das würde bedeuten, dass bestimmte Lebensmittel zum Beispiel vor Weihnachten oder bei schönem Wetter extra teuer werden könnten.

sob

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