Milliardenschwerer Irrtum: Time Warner spaltet AOL ab

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Time Warner in New York: Der Ausflug mit AOL ins Internet stellt sich als kostspieliger Irrtum heraus.

New York - Der US-Medienriese Time Warner zieht nach acht verlustreichen Jahren einen Schlussstrich unter einen milliardenschweren Irrtum: Die Internet-Tochter AOL wird abgestossen. 

Der Konzern entlässt seine defizitäre Internet-Tochter AOL in die Selbstständigkeit und verschenkt sie an seine Anteilseigner. AOL werde am 9. Dezember aus dem Konzern herausgelöst und am folgenden Tag als eigenständiges Unternehmen an der Börse gehandelt, teilte Time Warner am Montagabend (Ortszeit) nach Börsenschluss mit.

Wer zum Stichtag 27. November Aktien von Time Warner besitzt, soll jeweils einen neuen AOL-Anteilsschein für elf Time-Warner-Papiere erhalten. Time Warner will die verbleibenden Anteile auf dem freien Markt verkaufen und die Einnahmen als Gewinn an die Aktionäre ausschütten, denen Teile einer AOL-Aktie zugestanden hätten.

Außerdem erhalten die Time-Warner-Aktionäre eine unveränderte Quartalsdividende von 0,1875 Dollar je Anteilsschein. Die einst 100 Milliarden Dollar schwere Fusion von AOL und Time Warner war im Jahr 2001 als Jahrhunderthochzeit gefeiert worden. Nach dem Platzen der Internetblase blieben gigantische Verluste, die Ehe galt als gescheitert. Die Internetsparte leidet unter sinkenden Nutzerzahlen und niedrigen Werbeeinnahmen.

AOL bietet Internetzugänge und Textinhalte im Web an. Diese bringen zwar viel Onlineverkehr, allerdings verliert das Unternehmen jedes Quartal Abonnenten im sechsstelligen Bereich.

Nach der Loslösung - das hatte der bisherige Mutterkonzern bereits angekündigt - muss AOL sein Geschäft zunächst einmal auf Vordermann bringen. Vor wenigen Tagen hatte Time Warner für den Umbau weitere bis zu 200 Millionen Dollar veranschlagt, die im ersten Halbjahr 2010 investiert werden sollen. AOL will früheren Angaben zufolge nach der Trennung in den kommenden zwei Jahren zum größten Anbieter eigener Inhalte im Internet aufsteigen. Dazu sollen in neue Nischen expandiert und die Videoproduktion ausgebaut werden. Neben den Inhalten sollen weitere Schwerpunkte auf der Werbetochter Advertising.com und auf regional abgestimmten Angeboten liegen. Auch das Geschäft als Anbieter von Internetzugängen rückt nach Aussagen von AOL-Chef Tim Armstrong wieder in den Fokus.

Time Warner selbst steckt bereits seit längerem in einem Umbau. In Europa hat sich der Konzern längst vom AOL-Geschäft mit Internetzugängen getrennt. Auch die Kabelnetz-Sparte ist weg. Zum Kerngeschäft von Time Warner gehören TV-Sender (CNN), Magazine (“Time“, “Fortune“) oder Filmstudios (Warner Brothers). Im dritten Quartal musste Time Warner - nicht zuletzt wegen AOL - einen Einbruch beim Nettoergebnis um fast 40 Prozent auf 661 Millionen Dollar (444 Mio Euro) hinnehmen.

dpa

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