Groß-Razzia wegen  Aktienmanipulationen

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Privat- und Büroräume in mehreren deutschen Städten und in Österreich durchs ucht: Im Zuge der Aktion wurden auch Räume der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München durchsucht.

München - Seit Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen angeblicher Aktienmanipulationen. Nun folgte eine Razzia. Drei Verdächtige sitzen in U-Haft.

Das Ausmaß der schwer zu beweisenden Taten aber bleibt unklar. Die Behörden hüllen sich in Schweigen.

Billige Ramschaktien, gekauft von windigen Händlern, die sie dann anderen Anlegern in Börsenbriefen empfehlen, um den Kurs der sogenannten Pennystocks nach oben zu treiben - das klingt nicht nur kriminell, es ist es auch.

Die Staatsanwaltschaft in München ermittelt seit mehr als zwei Jahren wegen des Verdachts auf solche und andere Marktmanipulationen. Am Dienstag holten die Ermittler zu einem großen Schlag aus und durchsuchten Büros und Wohnungen von Dutzenden Verdächtigen in Deutschland und Österreich. Drei Beschuldigte sitzen seither in Untersuchungshaft.

Viel mehr Details wollte die Behörde allerdings auch am Freitag nicht mitteilen. Weder, wer die Verdächtigen sind, für wen sie arbeiten, noch welche Aktiengesellschaften von den Manipulationen betroffen sein könnten. Auch wie rasch die Ermittlungen nun weiter voran schreiten, konnte eine Sprecherin nicht sagen. Zunächst müsse das umfangreiche Material aus den Durchsuchungen ausgewertet werden. “Ein Zeitrahmen lässt sich nicht seriös vorhersagen“, sagte sie.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstagabend die spektakuläre Aktion und die drei Festnahmen und damit einen Bericht der “Financial Times Deutschland“ bestätigt. Insgesamt waren 48 Büro- und Privaträume bundesweit und in Österreich ins Visier der Behörde geraten.

Die Ermittlungen richten sich gegen 31 Verdächtige, betroffen sind Aktien von 20 verschiedenen Gesellschaften. Nach Angaben aus Finanzkreisen soll es sich bei den Verdächtigen vor allem um Mitarbeiter sogenannter Börsenbriefe handeln, die Anlegern unter anderem Ratschläge zu Aktien und Kaufempfehlungen geben. Im wesentlichen gehe es bei den Ermittlungen um Kursmanipulationen mit fast wertlosen Aktien - “Pennystocks“ - deren Kurs durch gezielt positive Nachrichten nach oben getrieben und dann wieder verkauft werden.

Das “Scalping“ genannte Treiben ist eine Marktmanipulation, die strafbar ist und mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden kann. In den vorliegenden Fällen seien teilweise auch andere Aktien durch negative Nachrichten in die Verlustzone gebracht worden, um daraus Geschäfte zu machen. Die in die Ermittlungen eingebundene Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) äußerte sich nicht zu dem Verfahren.

Die Delikte gelten als schwer beweisbar. Im Zuge der Razzia wurden auch Räume der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München durchsucht. Die SdK sei allerdings in einem anderen Zusammenhang von den Ermittlungen betroffen, betonte SdK- Sprecher Lars Labryga. Die Vorwürfe richteten sich nicht gegen die SdK, sondern weiterhin gegen einen früheren Funktionär. Der Mann soll öffentlich angebliche Bilanztricks beim Bezahldienstleister Wirecard angeprangert und zugleich auf den fallenden Kurs der Aktie spekuliert haben. Bereits 2008 war die SdK deshalb Ziel einer Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft. “Sollte dies tatsächlich der Fall sein, so hätte dieses Vorstandsmitglied gegen interne Regeln der SdK verstoßen“, sagte Labryga. Die Ermittlungen dazu liefen noch. Mit den Pennystock- Ermittlungen habe die SdK indes nichts zu tun, betonte Labryga. Im Gegenteil bekämpfe die SdK Marktmanipulationen und begrüße die Ermittlungen ausdrücklich.

dpa

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