Weise warnt vor Folgen des Fachkräftemangels

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Frank-Jürgen Weise beobachtet einen Mangel an Fachkräften

München - Kaum hat die Wirtschaft die Krise mit massenhafter Kurzarbeit hinter sich gelassen, steht sie vor einem neuen Problem: Sie findet nicht genug Personal.

Vor massiven Folgen des Fachkräftemangels für die deutsche Wirtschaft warnt der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise. “Es könnte sein, dass der Mangel die Wirtschaft vielleicht genauso limitiert wie die Finanzkrise“, sagte Weise am Mittwoch in München bei einem Kongress zur Zukunft der Arbeit. Bereits jetzt komme in einigen Regionen auf eine offene Stelle gerade mal ein Arbeitsloser, der aber meist nicht auf das gesuchte Profil passe. Weise spricht sich daher für eine gezielte Zuwanderung aus, um ausländische Spitzenkräfte ins Land zu holen.

Um dies zu erreichen, muss Deutschland aus Sicht des Unternehmers Randolf Rodenstock auch sein Image bei den ausländischen Spitzenkräften aufpolieren. “Die denken: Die wollen uns ja gar nicht“, sagte Rodenstock. Deutschland sei auf Weltoffenheit angewiesen, mahnte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). “Eine internationale Wirtschaft wie Deutschland braucht internationale Teams.“ Es sei grundfalsch, in der Diskussion um die Zuwanderung Arbeitslose gegen Zuwanderer auszuspielen.

Zeil forderte eine Lockerung der Kriterien, um mehr Fachkräfte ins Land zu lassen. Als Mindesteinkommen für den Job in Deutschland müssten aus seiner Sicht 40.000 Euro pro Jahr akzeptiert werden statt bislang 64.000 Euro.

Der Personalvorstand des MAN-Konzerns, Jörg Schwitalla, betonte, allein der Blick auf die Absolventenzahlen von Ingenieurs- Ausbildungsgängen in Deutschland mache klar, dass der Bedarf der Industrie nicht aus dem eigenen Land gedeckt werden könne. “Über Zuwanderung brauchen wir gar nicht zu reden.“

Die Diskussion über die Zuwanderung war in den vergangenen Tagen durch Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) wieder entfacht worden. Seehofer hatte dem Magazin “Focus“ gesagt, Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern täten sich schwerer. Daraus ziehe er den Schluss, dass keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen nötig sei.

Kritik an den Äußerungen kam vom Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. “Die Äußerungen haben uns beim Gewinnen von Fachkräften nicht genutzt, sondern geschadet“, sagte Brossardt am Rande des Kongresses. Ein Land, das sich so sehr auf Exporte stütze wie Bayern, sei auf die gezielte Zuwanderung angewiesen, erklärte Brossardt. Eine derartige Diskussion werde zudem auch im Ausland registriert.

dpa

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