Weniger Firmenpleiten - mehr Privatinsolvenzen

Neuss - Der stürmische Konjunkturaufschwung sorgt schneller als erwartet für einen Rückgang der Firmenpleiten in Deutschland. Dagegen steuert die Zahl der Privatpleiten auf einen neuen Rekordwert zu.

Nach einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform werden in diesem Jahr gut 32.000 Unternehmen Insolvenz anmelden, 2,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Noch im Sommer hatten die Experten mit einer weiteren Zunahme der Firmenpleiten um fast zehn Prozent gerechnet. Anders sieht das Bild allerdings bei den Verbraucherinsolvenzen aus: Hier erwartet Creditreform in diesem Jahr mit knapp 112.000 Fällen einen neuen Negativrekord.

Die Entspannung der Lage bei den Unternehmen dürfte nach Ansicht der Experten anhalten. Alle Zeichen sprächen dafür, dass die Zahl der Insolvenz 2011 weiter sinken werde - möglicherweise auf nur noch 29.000 Firmenpleiten, prognostizierte Creditreform. Denn die deutsche Wirtschaft profitiere nicht nur vom kräftig anziehenden Exportmotor, sondern auch vom Anspringen der Binnennachfrage und der Entspannung an den Finanzmärkten. 

Gründungszahlen auf Höchststand seit fünf Jahren

Die Trendwende im zweiten Halbjahr fiel überraschend deutlich aus: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres lag die Zahl der Firmenpleiten noch um 7,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Drastisch gesunken ist 2010 laut Creditreform auch die Höhe der Insolvenzschäden - nämlich um 55 Prozent auf 35,4 Milliarden Euro. Hier macht sich bemerkbar, dass die Pleitewelle in diesem Jahr in der Mehrzahl Kleinstbetriebe mit höchstens fünf Beschäftigen traf. Die größte Pleite des Jahres stellte laut Creditreform die Insolvenz des Kfz-Zulieferers Honsel aus Meschede mit 3.000 Beschäftigten dar. Megapleiten wie die des Handelsriesen Arcandor im Vorjahr blieben dagegen aus. Auch so müssen allerdings noch 240.000 Arbeitnehmer durch die Pleiten um ihre Arbeitsplätze bangen.

Die gute Konjunktur sorgte auch für eine Flut von Firmenneugründungen. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen stieg auf den höchsten Stand seit fünf Jahren. Insgesamt registrierte Creditreform knapp 900.000 Gewerbeanmeldungen und 105.000 Handelsregister-Neueintragungen. Dadurch seien im laufenden Jahr 466.500 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, gut 31.000 Stellen mehr als im Vorjahr.

Düster ist das Bild allerdings weiter bei den Verbraucherpleiten. Hier wurden laut Creditreform knapp 112.000 neue Fälle registriert. Das ist die höchste Zahl seit der Änderung des Insolvenzrechts vor gut zehn Jahren, durch die auch Privatpersonen die Möglichkeit erhielten, sich zu entschulden. Seitdem haben laut Creditreform insgesamt mehr als 700.000 Deutsche die Restschuldenbefreiung beantragt. Mit einer durchgreifenden Trendwende rechnen die Experten hier vorläufig nicht. Schließlich ist nach früheren Angaben von Creditreform fast jeder zehnte erwachsene Bundesbürger überschuldet.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Maas: Autokäufer dürfen nicht für Diesel-Nachrüstung zahlen
Maas: Autokäufer dürfen nicht für Diesel-Nachrüstung zahlen
Vorsicht, Salmonellengefahr! Lidl und Rewe rufen Produkte zurück
Vorsicht, Salmonellengefahr! Lidl und Rewe rufen Produkte zurück
Alarmierende Studie: So hat Amazon unser Kaufverhalten verändert
Alarmierende Studie: So hat Amazon unser Kaufverhalten verändert
Immer weniger Neuwagen auf Privatkunden zugelassen
Immer weniger Neuwagen auf Privatkunden zugelassen

Kommentare