Wirtschaftsexperten rechnen mit leichtem Wachstum

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Wirtschaftsexperten rechnen für dieses Jahr mit einem leichten Wachstum der deutschen Wirtschaft.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft ist nach dem tiefen Absturz wieder auf bescheidenem Wachstumskurs. Das legen Prognosen der bedeutenden Wirtschaftsforschungsinstitute nahe. Was die Experten sagen:

Die Arbeitslosigkeit dürfte nach Prognose der großen Wirtschaftsforschungsinstitute überraschenderweise sogar leicht sinken - auf rund 3,3 Millionen im Jahresdurchschnitt 2011. Die Experten erwarten in diesem und im nächsten Jahr Wachstumsraten von 1,4 bis 1,8 Prozent. Die leichte Erholung der Konjunktur spiegelt sich auch positiv bei der Entwicklung der Firmenpleiten wider.

Die führende Institute übergeben an diesem Donnerstag Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ihr gemeinsames Frühjahrsgutachten. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Institutskreisen erfuhr, erwarten sie 2010 eine Erwerbslosenzahl von 3,38 Millionen und 2011 von 3,31 Millionen. Das wäre bis 2011 ein Rückgang um etwa 100 000.

Von der Leyen will Kurzarbeit verlängern

Die Bundesregierung zeigte sich zuletzt weniger optimistisch. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) blieb Ende März bei ihrer Prognose von 3,7 Millionen Erwerbslosen für dieses Jahr. Im Durchschnitt des Jahres 2009 waren 3,42 Millionen Menschen ohne Arbeit registriert, die Quote lag damit bei 8,2 Prozent. Die weitere Entwicklung hängt auch von der künftigen Regelung für die Kurzarbeit ab, die sich in der Wirtschaftskrise als wichtiges Instrument gegen Entlassung erwies.

Nach einem Gesetzentwurf von der Leyens soll sie noch einmal verlängert werden. Demnach ist vorgesehen, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) bis Mitte 2012 vom siebten Monat an die Sozialabgaben auf das Kurzarbeitergeld voll erstattet. Eigentlich sollte diese im vergangenen Sommer auf dem Höhepunkt der Krise geschaffene Regelung 2010 auslaufen.

DIW-Konjunkturchef Christian Dreger sagte, anders als früher profitiere Deutschland nur schwach von der Erholung der Weltwirtschaft, weil die Wachstumsländer in Südostasien und Lateinamerika nicht zu den Hauptabsatzmärkte gehörten. So gingen etwa nur 5 Prozent der deutschen Exporte nach China, aber 15 Prozent nach Osteuropa. China könne die USA als Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit nicht ersetzen. Dazu sei das Gewicht noch zu gering.

Als desolat bezeichnete das DIW die Lage der öffentlichen Haushalte. Das Gesamtdefizit des Staates werde 2010 bei 146 Milliarden und 2011 bei 121 Milliarden Euro liegen. Das entspreche 5,9 Prozent (2010) und 4,7 Prozent (2011) des Bruttoinlandsproduktes, weit mehr als die 3,0 Prozent, die die Europäische Union als vertretbare Höchstmarke sieht. Zimmermann: “Für Steuersenkungen gibt es deshalb keinerlei Spielraum. Um die Haushalte zu konsolidieren, werden wir vielmehr um Steuererhöhungen nicht herumkommen.“

Bei den Unternehmensinsolvenzen schwächte sich der Anstieg zu Jahresbeginn ab. Im Januar wurden 2547 Insolvenzen von Unternehmen gemeldet, das waren 4,2 Prozent mehr als im Januar 2009. Im Dezember und November 2009 lag die Steigerungsrate allerdings noch bei 15,5 beziehungsweise 6,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Gesamtjahr 2009 hatten die Amtsgerichte 32 700 Fälle und damit 11,6 Prozent mehr als im Vorjahr gezählt.

Von Bernd Röder

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