Wirtschaftskriminalität: ein Schaden, der alle etwas angeht

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Wenn in den Medien über Wirtschaftskriminalität berichtet wird, scheint sich die schlechte Meinung, die viele Deutsche in Bezug auf Großkonzerne und Banken haben, nur zu bestätigen.

Als ärgerlich empfindet mancher die Berichte über Zinsmanipulationen, Abgasskandale und Korruption. Doch der Schaden, der durch einige wenige Kriminelle verursacht wird, ist weitaus größer, als die meisten Menschen denken. Wird einem Unternehmen ein größerer Schaden zugefügt, gibt es diesen Verlust früher oder später in Form von höheren Preisen an seine Kunden weiter – und damit werden alle zur Kasse gebeten. Noch deutlicher wird es, wenn der Staat zum Opfer krimineller Handlungen mit Wirtschaftsbezug wird. Steuereinnahmen, die in der Staatskasse fehlen, müssen über kurz oder lang ausgeglichen werden: durch Kredite, die neue Schulden bedeuten oder durch höhere Steuern.

Die vielen Gesichter der Wirtschaftskriminalität

Wirtschaftskriminalität hat viele Seiten: Sie kann sich gegen Unternehmen jeder Größe, gegen Staaten und Kommunen oder gegen Privatpersonen richten. Allen Straftaten, die unter dem Oberbegriff „Wirtschaftskriminalität“ zusammengefasst werden, ist gemein, dass sie einen wirtschaftlichen Bezug haben. Es gibt Staaten, deren Wachstum durch Wirtschaftskriminalität massiv gehemmt wird. Geldwäsche und Korruption sind ebenso wie Steuerhinterziehung mittlerweile internationale Geschäfte, in denen Milliarden verschwinden. Gerade diese Internationalität macht die Strafverfolgung oft sehr schwer. Nicht immer ist klar, welche Behörden für die Verfolgung einer Straftat zuständig sind. Nicht immer arbeiten Behörden auf internationaler Ebene wirklich effizient zusammen. Besonders dramatisch ist allerdings, dass die meisten wirtschaftskriminellen Delikte vollkommen unentdeckt bleiben.

In den letzten Jahren gab es einige Fälle, in denen international kooperierende Netzwerke investigativer Journalisten Wirtschaftskriminalität aufgedeckt und öffentlich gemacht hat. Ein Beispiel waren die sogenannten „Panama Papers“, über die hier ausführlich berichtet wird. Täter waren hier multinationale Großkonzerne, aber auch Politiker, Fußballstars und Banken. Bekannt gemacht werden konnten diese Fälle durch „Leaks“, die Weitergabe geheimer Unterlagen an Reporter. Die Größenordnung der Delikte sowie die Anzahl und Prominenz der Beschuldigten lassen vermuten, dass hier nur die Spitze eines riesigen Eisbergs enthüllt wurde.

In Deutschland wurde höchstwahrscheinlich fast die Hälfte aller Unternehmen schon einmal zum Opfer einer wirtschaftskriminellen Handlung. Eine Studie ergab, dass allein im Jahr 2010 jede dritte Behörde mindestens einmal durch Wirtschaftskriminalität bedroht war. Mit der Digitalisierung dürften die Angriffspunkte und Möglichkeiten, kriminelle Handlungen nahezu unentdeckbar durchzuführen, deutlich zugenommen haben. Auch liegt die Dunkelziffer im Bereich der Wirtschaftskriminalität sehr hoch. Viele Unternehmen fürchten eine Rufschädigung, wenn öffentlich wird, dass Computernetzwerke nur unzureichend gesichert wurden, leitende Mitarbeiter Firmengelder veruntreut haben oder große Geldmengen an Betrüger überwiesen wurden. Das BKA ist die richtige Adresse, wenn es um die Anzeige und Verfolgung von Wirtschaftsdelikten geht, die im deutschen Raum begangen werden oder deutsche Unternehmen, Personen und Institutionen betreffen. Leider macht die große Zahl der Delikte und das intelligente Agieren internationaler Verbrecherbanden eine Aufklärung schwierig.

Was tun, wenn Sie betroffen sind?

Was haben der ehemalige Börsenmakler Bernard Madoff, Tennisstar Boris Becker und Action-Star Wesley Snipes gemeinsam? Sie alle sind, wie hier nachzulesen ist, wegen Wirtschaftsdelikten überführt und verurteilt worden. Und selbstverständlich gab es Menschen, die sich von ihnen und vielen anderen größeren und kleineren Kriminellen haben an der Nase herumführen lassen. Mancher, der sich wirtschaftskrimineller Handlungen schuldig macht, weiß selbst gar nichts davon, dass er den Fiskus, Unternehmen und Organisationen um Millionen prellt. Oft sind es Finanzberater oder Vertraute der Stars, die mit der Aufgabe betraut sind, das Vermögen so anzulegen, dass möglichst wenig Steuern zu zahlen sind und die dabei vor kriminellen Handlungen nicht haltmachen.

Jeder Mensch, jedes Unternehmen und jeder Staat können Opfer von Wirtschaftskriminalität werden. Die Täter sind kreativ: in den letzten Jahren gab es eine Häufung von Fällen, in denen nach der Methode des CEO-Frauds vorgegangen wurde. Bei dieser Betrugsmasche handelt es sich um eine Art „Enkeltrick“, der auf Unternehmen angewandt wird. Fremde Personen rufen in der Finanzabteilung von Unternehmen an, geben sich als CEO aus und veranlassen Mitarbeiter dazu, große Geldsummen auf ausländische Konten zu überweisen. Dabei gehen die Täter so überzeugend vor, dass der Betrug in vielen Fällen gelingt. Das Geld landet irgendwo im Ausland und verschwindet spurlos.

Wer den Verdacht hegt, Opfer einer wirtschaftskriminellen Aktivität geworden zu sein, sollte sofort die Polizei informieren. Mittlerweile gibt es an der Hochschule Fresenius einen eigenen Studiengang, der sich mit „Wirtschaftsforensik“ befasst. Doch bis die neuausgebildeten Spezialisten für Wirtschaftskriminalität wirklich tätig werden können, vergehen wohl noch einige Jahre. Nicht jeder angezeigte Fall von Wirtschaftskriminalität führt dazu, dass das BKA eine eigene Ermittlungsgruppe einrichtet. Unternehmen und Personen, die ein Interesse daran haben, einen Betrug aufzudecken und den Schaden zu begrenzen, sind gut beraten, eine auf Wirtschaftsdelikte spezialisierte Privatdetektei zu engagieren. Mit modernen Aufklärungsmethoden haben Spezialisten gute Chancen, schnell festzustellen, ob ein Wirtschaftsdelikt vorliegt, wie groß der Schaden ist und den Fall oft sogar aufzuklären. Bei dieser Arbeit werden gerichtsfähige Materialien zusammengetragen, die zu einer wertvollen Hilfe werden können, wenn es zum Prozess kommt.

Nur wenn Wirtschaftskriminalität erkannt und aufgeklärt wird, kann es gelingen, dieser ernstzunehmenden Bedrohung eines Tages Herr zu werden.

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