Gesundheitskarte verzögert sich weiter

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Sollte ursprünglichschon vor drei Jahren etabliert sein: die umstrittene Gesundheitskarte.

Mainz/Berlin - Die deutsche Ärzteschaft sprach sich in einem Beschluss des Ärztetags  in Mainz für eine sorgfältige Erprobung in ergebnisoffenen Tests aus.

In der langen Geschichte der elektronischen Gesundheitskarte drohen weitere Verzögerungen. Die deutsche Ärzteschaft sprach sich zum Abschluss des Ärztetags am Freitag in Mainz für eine sorgfältige Erprobung aus. Die Ergebnisse der Tests müssten erst abgewartet werden. Wie in den vergangenen Jahren zweifelte eine Mehrheit der Delegierten an der Konzeption der Karte.

„Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“

Bundesgesundheitsministerium und Krankenkassen warben um Unterstützung für das Projekt. Die mit Foto und Speicherchip versehene Gesundheitskarte soll weniger Papierkrieg in der Praxis, Klarheit über die Vorgeschichte von Schwerkranken und sinkende Kosten bringen. Die Ärzte versicherten, weiter konstruktiv und kritisch an daran mitzuarbeiten. “Sorgfalt geht vor Schnelligkeit“, betonte ein Sprecher der Ärztekammer allerdings.

So dürften die Tests noch nicht Bestandteil eines Online-Betriebs der Karte werden. Die Ärzte wollen mit der neuen Karte und den dahinter stehenden Netzwerken nur freiwillig online gehen - aber nicht dazu verpflichtet werden. Eine Pflicht hatten die Krankenkassen gefordert. Ärztevertreter warnten davor, dass einzelne Kassenärzte am Ende wohl gar ihre Zulassung abgeben könnten, wenn sie zum Verschicken von Patientendaten via Netzwerke gezwungen würden.

Nach dem Fahrplan, der den Ärzten vorschwebt, sollen erst nach erfolgreichen Tests Kartenlesegeräte breit an die Praxen ausgegeben werden. “Diese Verzögerung ist in Kauf zu nehmen“, erklärten die Ärzte. Erst wenn dann 95 Prozent der Praxen Lesegeräte hätten, sollten die Kassen die Karten an die Versicherten ausgeben.

Karte sollte schon vor drei Jahren etabliert werden

Ursprünglich sollte die Neuerung vor drei Jahren etabliert sein. Die rund 15 000 Arztpraxen des Rheinlandes sollen bundesweit Vorreiter sein. Immer wieder sorgten Testprobleme, etwa mit den Pin- Nummern oder beim Lesen, für Schlagzeilen. Bis Ende des Jahres sollte die Karte nach dem jüngsten Stand Region für Region flächendeckend in Deutschland verteilt werden. Als Schlüssel zum Verschicken der Versichertendaten übers Computernetz soll die Karte von 2010 an dienen.

Das Bundesgesundheitsministerium forderte die Ärzte dazu auf, Kurs auf die Karte zu nehmen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar habe mehrfach darauf hingewiesen, dass die Karte ein Höchstmaß an Sicherheit und Verbesserungen bringe, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater. Die Krankenkassen betonten, Ärzte und Kassen sollten die Karte gemeinsam voranbringen. “Denn Online-Kommunikation ist die Kommunikation des 21. Jahrhunderts“, sagte der Sprecher des Spitzenverbands, Florian Lanz. “Ein schnellerer Informationsaustausch kann gerade im Gesundheitswesen für die Patienten von großer Bedeutung sein.“

Die Krankenkasse KKH-Allianz betonte, den Versicherten ab sofort eine voll funktionstüchtige und zugelassene Karte anbieten zu können.

dpa

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