Schaeffler-Chef dementiert Gegenübernahme

+
Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger hat Berichte über eine Gegenübernahme von Schaffler durch Conti als Spekulationen zurückgewiesen.

Herzogenaurach - Bei der Zusammenführung der Autozulieferer Schaeffler und Conti strebt Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger eine Lösung ohne Gewinner und Verlierer an.

Zugleich wies er am Freitag Berichte über eine Gegenübernahme von Schaeffler durch Conti als Spekulationen zurück. Die derzeit laufende Prüfung der Optionen sei ergebnisoffen, betonte er laut Mitteilung. Das “Handelsblatt“ hatte berichtet, die beiden Unternehmen könnten unter dem Dach von Conti fusionieren. Schaeffler hatte sich bei der Übernahme des Continental- Konzerns verhoben und ist hoch verschuldet.

Laut Geißinger gilt für die Familie Schaeffler: “Erstens: Es darf keine Gewinner und Verlierer geben. Alle Parteien, auf die es ankommt, müssen dahinter stehen können. Zweitens: Der Ursprungsgedanke, die Stärke der beiden Unternehmen so zusammenzuführen, dass dadurch ein für die Zukunft ausgerichtetes starkes Unternehmen entsteht, muss optimal umgesetzt werden.“ Die Conti-Aktie war nach Spekulationen über eine Schaeffler-Übernahme durch Conti auf Höhenflug gegangen, aber Freitag aber wieder leicht eingeknickt.

Laut “Handelsblatt“ prüfen die Berater von Roland Berger derzeit im Auftrag des Gläubigerkonsortiums unter Führung der Commerzbank das Szenario einer Gegenübernahme. Die Übernahme von Conti durch Schaeffler könnte damit ähnlich wie bei Porsche und VW in einem sogenannten “Reverse Takeover“ enden, Conti könnte also Schaeffler schlucken.

Breite Unterstützung in der Politik

In der Politik gebe es breite Unterstützung für eine solche Lösung. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ( CDU ) unterstützt Pläne für eine Integration der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe in den Conti-Konzern. “Ich setze auf einen Technologiekonzern Conti- Schaeffler als zweitgrößtem Automobilzulieferer nach Bosch“, sagte Wulff dem “Handelsblatt“ (Freitag). Nach Einschätzung Wulffs wäre ein solcher Konzern international gut aufgestellt.

Wie die “Financial Times Deutschland“ am Freitag berichtete, zeichnet sich im Ringen um ein Bündnis zwischen Conti und Schaeffler die Übernahme eines großen Aktienpakets durch die Banken ab. Die Commerzbank habe Roland Berger beauftragt, eine für die Banken möglichst kapitalschonende Integration durchzurechnen. Am Ende könnten die Banken Haupteigner des neuen Großkonzerns sein.

Nach Ansicht des Finanzexperten Wolfgang Gerke wäre Schaeffler bei einer Gegenübernahme der Continental AG der Verlierer des Machtspiels zwischen Hannover und Herzogenaurach. “Der Käufer bestimmt die Geschäfts- und vor allem die Personalpolitik“, sagte Gerke den “Nürnberger Nachrichten“ (Donnerstag).

Zukunft der Conti-Reifensparte offen

Die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft zwischen Conti und Schaeffler sieht der Präsident des bayerischen Finanzzentrums auf einer Ebene mit dem “handfesten Machtkampf“ zwischen Porsche und VW , wo sich “ältere Herren gegenseitig aus ihren Ämtern“ kegeln wollen. Als Option gilt in der Branche nach wie vor, dass nur die beiden Automobil-Sparten von Conti und Schaeffler zusammengeführt werden. Offen ist die Zukunft der Conti-Reifensparte. Auch Kapitalerhöhungen gelten als denkbar.

Schaeffler und Conti sind hoch verschuldet. Den Banken drohen hohe Wertberichtigungen. Die Institute hofften nun laut Bericht, bei einer Fusion unter dem Dach von Conti allzu hohe Abschreibungen vermeiden zu können. Die Branchenkrise hat die beiden Autozulieferer voll erwischt. Continental stürzte im ersten Quartal 2009 nach einem drastischen Umsatzrückgang in die roten Zahlen. dpa

Meistgelesen

Video
Radikale Wende: Diese Spar-Maßnahme könnten Lidl-Kunden bald spüren
Radikale Wende: Diese Spar-Maßnahme könnten Lidl-Kunden bald spüren
Gewerkschaft fordert Rücknahme von Sicherheitsvorschrift im Cockpit
Gewerkschaft fordert Rücknahme von Sicherheitsvorschrift im Cockpit
Frankreich ordnet Beteiligung an Opel-Käufer PSA neu
Frankreich ordnet Beteiligung an Opel-Käufer PSA neu
Bericht: Amazon will frische Lebensmittel mit DHL ausliefern
Bericht: Amazon will frische Lebensmittel mit DHL ausliefern

Kommentare