Zweikampf um Opel

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Der Bieterkampf um Opel ist noch nicht zu Ende.

Rüsselsheim - Der belgische Investor RHJ sieht sich in einer guten Position und macht dem österreichischen Zulieferer Magna Konkurrenz.

Auf der Zielgeraden im Bieterrennen um Opel spürt Favorit Magna plötzlich den Atem des Finanzinvestors RHJ im Nacken. Der von dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Ende Mai erkämpfte Vorsprung gegenüber den Mitbewerbern scheint vorerst aufgebraucht. Zwar ist Fiat erst einmal abgehängt, während der chinesische Hersteller BAIC die Konkurrenz nur aus der Ferne vor sich hertreibt.

Doch just als Magna den für Mitte Juli angestrebten Vertragsabschluss “um wenige Tage“ verschieben muss, wagt sich der Finanzinvestor RHJ International aus der Defensive. Erstmals bestätigt das Unternehmen, “seit Wochen in Verhandlungen“ mit der einstigen Opel-Mutter General Motors (GM) zu stecken - und schiebt selbstbewusst nach: “Diese Verhandlungen befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium.“ Die Botschaft an Aktionäre und den Konkurrenzen Magna ist klar: RHJ sieht sich in einer guten Position und denkt nicht daran, voreilig die Segel zu streichen.

Politikers lassen kein gutes Haar an RHJ

Postwendend melden sich Landespolitiker der Opel-Standorte zu Wort. Sie lassen kein gutes Haar an dem belgischen Bieter, obwohl der weniger Staatsgarantien einfordert als Magna und auch einen geringeren Jobabbau plant. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) fordert, dass bei Opel ein industrieller Investor zum Zuge kommen möge, “der aus der Branche kommt“. In Mainz sagte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD): “Die Beurteilungen unsererseits, was diese weiteren Angebote angeht, sind deutlich negativ.“

Da GM mit der Insolvenz wieder einigermaßen auf die Beine gekommen ist, sieht der Konzern seine Position in dem Poker offenbar wesentlich verbessert. Die Detroiter wollen nicht mehr so richtig loslassen - und sie wollen vor allem nicht zuzahlen. Magna dachte, man könne ein Schnäppchen machen. Nun sorgt der Zulieferer für Unmut, weil er anscheinend keine Anstalten macht, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Dem Zulieferer wird vorgeworfen, er sei vor allem damit beschäftigt, an die staatlichen Mittel zu kommen.

Bei Magna im österreichischen Graz gibt man sich gelassen. “Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgabe, zusammen mit General Motors eine Lösung zu finden, ohne dabei auf andere zu achten. RHJ macht uns nicht nervös“, betont eine mit den Vorgängen vertraute Person. Dass die für diesen Dienstag geplante Aufsichtsratssitzung verschoben werden musste, in der der Magna-Vorstand sich Grünes Licht für den Vertrag mit GM geben lassen wollte, hält man in Graz für unbedeutend. Schließlich gehe es nur um ein paar Tage. Ernsthafte Probleme, zu einer Einigung zu kommen, gebe es aber nicht.

Jeder Bieter hat einen Haken

Derweil konnte der chinesische Bieter BAIC in dem Rennen Boden gutmachen. In einem internen Vermerk des Wirtschaftsministeriums heißt es: “Die Stärken des Angebots liegen in dem geringen Finanzierungsbedarf durch die öffentliche Hand und den insgesamt geringeren Arbeitsplatzabbau.“ Vorgehalten wird den Chinesen allerdings, sich vor allem Zugriff auf moderne Technologien verschaffen zu wollen. Aus ähnlichen Gründen lehnt auch der Opel-Betriebsrat die Pläne aus Fernost ab.

Doch in diesem Punkt dürfte sich das chinesische Angebot kaum von dem von Magna unterscheiden. Der marode russische Autobauer GAZ, Kooperationspartner von Magna und der staatlich kontrollierten russischen Sberbank, ist dringend auf moderne Technologie angewiesen. In Rüsselsheim dürfte der Optimismus aus Belgien einigen Mitarbeitern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Groß ist die Angst, dass RHJ sein Engagement nur kurzfristig betreibt, den Autobauer ausblutet und dann entweder den Staat auf den Scherben sitzenlässt, oder seine Anteile gewinnbringend an GM zurückgeben könnte. Das wäre das letzte, was sich die Opelaner wünschen.

Sie geben den “arroganten“ Managern aus Detroit die Schuld an einer verfehlten Modellpolitik, die den Autobauer letztlich in die Krise manövrierte. Der Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz bezeichnete jüngst den Tag, als GM Opel für Investoren öffnete, als seinen “persönlichen Unabhängigkeitstag“.

dpa

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